Heroische Schlachten im eigenen Körper

Willkommen an diesem Samstag, an dem der Mai seine Schatten vorauswirft. Oder besser gesagt, sein Licht, denn der Mai wird sehr bezaubernd starten!
Das einzig Negative am Frühling dürfte in diesen Wochen die Pollenbelastung sein, welche selbst gestandene Männer mit kruppstahlhartem Pectoralis major zu weinenden und schniefenden Gestalten schrumpfen kann.

Viele werden die Symptome und ihre Ursache kennen, Pollen dringen in den Körper ein und lösen den körpereigenen Mechanismus aus, der primär für die Abwehr von Krankheitserregern gedacht ist, weiße Blutkörperchen produzieren Antikörper, es wird ein Juckreiz in Nase und Augen ausgelöst, durch Ausstoß einer beträchtlichen Menge Flüssigkeit aus den Nasenhöhlen sollen die „Eindringlinge“ hinausbefördert werden und so weiter. Da ich weder Medizin studiert habe, noch das hier ein wissenschaftlicher Blog ist, ist eine wissenschaftliche Betrachtung dieser Prozesse nicht das Ziel (Ich hoffe, dieser Hinweis kommt früh genug, bevor hier die ersten Leser schon augenrollend die Flucht ergriffen haben…)

Nein, ich habe mir Allergien oder Krankheiten generell immer als eine heroische Schlacht im Körper vorgestellt. Wer von euch die Schlacht von Helms Klamm im zweiten Teil der „Herr der Ringe“-Trilogie kennt, kann sich ungefähr ausmalen, wie das in meinem Kopf abläuft.
Stellen wir uns den menschlichen Körper als eine solche Festung vor. Dabei kann man sich unsere Haut, welche schon einen beträchtlichen Teil von Krankheitserregern und anderen negativen Einflüssen abwehrt, als die Burgmauer vorstellen. Auf dieser Burgmauer patrouillieren Wachmänner, diese nennt man in unserem Körper Lymphozyten. Diese Lymphozyten, eine Gruppe der weißen Blutzellen, überwachen also Tag und Nacht die Burgmauern und schlagen im Falle eines unerwünschten Eindringens Alarm.

Leider hat die Burgmauer ein paar konstruktionsbedingte Schwachstellen. Und zwar muss unsere Festung namens „menschlicher Körper“ auch mit Ressourcen versorgt werden und das geschieht über die Atemwege und Speiseröhre. Und diese Wege in unser Heiligtum stellen natürlich für Fremdkörper eine potentielle Gelegenheit dar, die Burgmauer zu überwinden.

An dieser Stelle kommt die Polle ins Spiel. Da allein dieses Wort schon negativ konnotiert ist, denke ich, dass auch eine dementsprechend negative Rolle in unserer Geschichte sehr treffend ist. Unsere pollus aggressivus (jeder meiner der lateinischen Sprache mächtigen Leser möge mich an dieser Stelle bitte nicht für meinen klischeehaften Gebrauch lateinischer Wortendungen beschimpfen, mir ist durchaus bewusst, dass das nicht der wissenschaftliche Begriff für „Polle“ ist) hat eigentlich eine sehr sinnvolle Aufgabe, nämlich das Pflanzen von tollen neuen Bäumen! Diese Berufung scheint die Polle aber offenbar nicht auszulasten, deswegen hat sie eine hämische Freude daran entwickelt, dem Menschen einen Angriff vorzugaukeln, um eine Abwehrreaktion zu provozieren.
Das sieht dann so aus, dass diese Polle das „Tor“ unserer Atemwege passiert und in unseren Körper eingedrungen ist. Bei meinen glücklichen Mitmenschen, welche nicht unter Allergien leiden, werden die Lymphozyten-Wachleute an dieser Stelle keinen Alarm auslösen, da die pollus aggressivus keine tatsächliche Gefahr darstellt. Diese wünschenswert unspektakuläre Reaktion würde die Polle zwar sehr enttäuschen, ist für den Menschen aber durchaus positiv.
Bei den Allergiegeplagten unter uns, zu denen auch ich gehöre, fällt die Reaktion auf den Eindringling leider weniger unspektakulär aus:
Unsere Lymphozyten (je öfter ich diesen Namen schreibe, desto mehr erinnert er mich an den einer antiken militärischen Einheit) bemerken auch in diesem Fall den Eindringling und schlagen Alarm, da sie die Polle für eine Gefahr für unseren Körper halten. Der dabei ablaufende biologische Prozess des Bildens von Antikörpern klingt viel beeindruckender, wenn man ihn sich als eine Heerschau vorstellt, bei der eine Armee zur Verteidigung unseres Körpers gebildet werden soll.
Dies geschieht auch mehr oder weniger zügig und so wird die bis dahin harmlose, wenn auch gemein lächelnde Polle von unseren tapferen Antikörpern angegriffen. Diese Verteidigung ist recht kompromisslos und die daraus resultierenden Kollateralschäden können wir uns als die wundervolle Gesamtheit unserer allergischen Reaktionen vorstellen, die ich an dieser Stelle gar nicht näher beschreiben will, um niemandem einen kalten Schauer auf dem Rücken zu bescheren.

Jedenfalls werden unsere aggressiven Pollenfreunde bei dieser Abwehrschlacht sehr unsanft aus dem Körper befördert. Das macht ihnen aber gar nichts, da ihre Freude über unser Leid absolut überwiegt.
Ich bezweifle, dass diese Vorstellung, wie eine allergische Reaktion abläuft, eure Beschwerden in irgendeiner Weise lindern kann, aber vielleicht könnt ihr ja etwas positiver mit ihnen umgehen, wenn ihr daran denkt, dass euer Körper euch nur vor dieser aggressiven Polle beschützen will, die eh richtig unsympathisch aussieht! Aber bitte fangt in eurem Unmut nicht an, Bäume zu fällen, davon muss ich im Sinne unserer Umwelt dringend abraten.

Also, bis zum nächsten Mal!

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