Von realen Filmfiguren und moralisch überlegenen Läufern

Kennt ihr das, wenn ihr an einem vollkommen alltäglichen Ort plötzlich jemanden seht, der euch bekannt vorkommt? Und zwar nicht so „Mit dem war ich doch bei den Pfadfindern“-bekannt, sondern eher „Den hab ich im Kino gesehen!“-bekannt. Genau das passiert mir bisweilen, zuletzt zwei Mal hintereinander, als ich dem nachmittäglichem Sport frönte. Leider war es kein Double von Emma Watson, das ich da erblickte, sondern ein Herr, der David Morse zum Verwechseln ähnlich sah. Und die einzige Rolle, in der mir Davi Morse in Erinnerung geblieben ist, ist die des Mr. Turner in Disturbia. Um denjenigen von euch, welche diesen Film nicht kennen, meine daraus resultierende Furcht zu erklären, folgt hier eine kurze Zusammenfassung:

Kale, gespielt von Shia Labeouf (dieser Name bereitet mir jedes Mal Probleme. Selbst nach mehrfachem Durchlesen bin ich mir ob der Schreibweise unsicher, es ist ein Drama) bekommt polizeiliche Fußfesseln angelegt und darf das Grundstück des elterlichen Hauses dementsprechend nicht verlassen.
Von der folgenden Langeweile bedrängt, beginnt er, seine Nachbarn zu beobachten. Unter anderem die bezaubernde Ashley, welche gerne unauffällig aufreizend im Bikini am Pool posiert, aber eben auch den ein wenig unspektakulär wirkenden Mr. Turner. Den Rest der Geschichte aufzuarbeiten, würd zu weit führen, es sei nur so vel gesagt, dass sich die obligtorische Geschichte anbahnt (nein, nicht zu Mr Turner!) und eben der so unspektakulär wirkende Mr Turner, sich als deutlich weniger unspektakulär erweist, was an seinem Faible für das Töten junger Frauen und dem Lagern deren Leichen in seinem Keller liegen könnte.

Angesichts dieses Hintergrundes versteht ihr vielleicht mein leichtes Gefühl des Unwohlseins, wenn man in einer leeren Ecke des Fitnessstudios seiner Musik lauscht und auf einmal eine Kopie von Mr Turner zielstrebig auf ebendiese Ecke zuschreitet. Gut, man könnte argumentieren, dass mir aufgrund fehlender Weiblichkeit eher geringe  Gefahr drohte, aber nichtsdestotrotz war es ein unangenehmer Augenblick.
Den ich aber überlebte, das nur zur Vollständigkeit.

Und ich war wieder einmal beim Friseur. Man könnte jetzt zwar meinen, dass ich etwas gegen Friseure hätte, aber mitnichten. Ich schätze die Arbeit dieser Berufsgruppe sehr und bewundere ihre Arbeit absolut, aber irgendwie laufen die Besuche dort nie komplett unspektakulär ab.
Dieses Mal war es vergleichsweise gut besucht, was eine gewisse Wartezeit zur Folge hatte. Nach wenigen Minuten bemerkte eine Dame mit leicht verzweifelter Stimme, dass sie sich nur die Augenbrauen zupfen lassen wolle. Die Friseurin quittierte das mit einem „Das kann hier keiner.“, worauf die junge Dame ungläubig sagte „Ich dachte, das kann jeder!“ und den Salon verließ.
Ohne zu großes Fachwissen über die Technik des Zupfens von Augenbrauen zu besitzen, erschien mir dieser Kommentar doch etwas dreist. Ich erwarte ja auch nicht von meinem Hausarzt, dass er mir eine künstliche Herzklappe installieren kann, weil er doch immerhin auch Medizin studiert hat.
Nach dieser Unterbrechung meiner Gedankenverlorenheit fiel mir ein Schacht im Boden auf, in den die entbehrlichen Haare der Kunden gefegt wurden. Einen Moment lang fragte ich mich, wie große Irritationen es verursachen würde, ganz nonchalant zu fragen, ob man ein paar Haare mitnehmen dürfte. Ich entschied mich aber gegen dieses Experiment, wahrscheinlich hätte eh keiner der Anwesenden mit dieser Frage umgehen können.

Nach einem Arbeitstag mit Überlänge übermannte mich die Schwäche und Unlust, noch selbst etwas Essbares zuzubereiten, also fuhr ich kurz zum Drive-In Schalter des Restaurants zur goldenen Möwe (wie gesagt, Werbung gibts nur für viel, viel Geld. :D) und deckte mich dort mit einer der bekannten nahrhaften und vitaminreichen Mahlzeiten ein. Als ich von dannen fahren wollte, hielt ich für einen vorbeieilenden Jogger an, der natürlich rein zufällig an dieser Ausfahrt seiner sportlichen Betätigung nachging. Und als er Blickkontakt zu mir aufbaute, verlangsamte er seine Schritte und taxierte mich mit einem abschätzigen Blick, als wäre ich der würdeloseste Mensch, der jemals unter seine Augen geraten ist. Dieser Eindruck wurde offenbar noch verstärkt, als er mit den ebenso eloquenten wie aber auch expliziten Texten von Kollegah beschallt wurde, die aus den Lautsprechern meines Wagens heraus erklangen.

Und so ging diese Woche wieder einmal atemberaubend schnell zuende.
Bis zum nächsten Mal!

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