Von vermenschlichten Hunden und verliebten Fotografen

So langsam stelle ich enttäuscht fest, dass sich der Sommer dem Ende neigt. Und das ist nicht nur schade um die sommerlichen Temperaturen, die ich sehr genieße, sondern es erschreckt mich auch aus dem Grund, weil es erbarmungslos aufzeigt, dass das Jahr ebenso in seine letzten Monate geht. 2017 hat doch verdammt nochmal gerade erst begonnen, wie können wir denn schon fast wieder den September erreicht haben?! Aber sei es drum, es sollte mir eine Lehre sein, die schönen Momente um einiges mehr wertzuschätzen, bevor man in einem Strudel aus privatem und beruflichen Stress versunken durch das Leben geschleudert wird. Und genau deswegen will ich die letzte Zeit mal wieder Revue passieren lassen:

Während ich in einer Mittagspause in einem Park sitzend meine Gedanken schweifen ließ, ging eine ältere Frau mit einem Hund an mir vorbei (Bitte klickt jetzt noch nicht gelangweilt weg, es passiert wirklich noch was!*). Ein an sich recht idyllisches Bild, hätte diese Frau nicht plötzlich begonnen, Ihren  Hund zu maßregeln. Und zwar mit dem Satz „Streck die Zunge nicht aus dem Mund, das sieht nicht gut aus!“. Genau, du Hund, pass dich gefälligst unseren menschlichen Standards an! Und, wenn du schon dabei bist, lauf‘ endlich auf zwei Beinen, das sieht nämlich auch viel besser aus…
Junge Frau, es sei Ihnen gesagt, Ihr Hund findet es wahrscheinlich auch ganz schön komisch, dass Sie kein Fell haben, nicht an anderer Menschen Hinterteile riechen, um diese kennenzulernen und komische Metallinstrumente zum Essen benutzen. Und trotzdem mag er Sie. Also nehmen Sie sich verdammt nochmal ein Beispiel daran!

Außerdem musste ich in dieser Woche Passfotos anfertigen lassen. Und weil ich mich für solche Aufgaben gerne an Profis wende, besuchte ich ein Fotostudio. Die Fotografin schien zu verstehen, was mein Begehr war und pflanzte mich auf einen Drehstuhl. Doch dann fing sie plötzlich an, mein Gesicht zu pudern. Ich wollte kurz anmerken, dass das Bundesinnenministerium wahrscheinlich keine Anforderungen an den Glanz und die Reinheit meiner Haut auf meinem Passfoto stellt, hab es dann aber doch des Friedens willen sein gelassen, immerhin wusste diese Frau mit Sicherheit, was sie da tut. Und solange sie nicht vorhat, ihren Make-up Koffer umfassender an meinem Gesicht auszuprobieren, gab es keinen Grund für Widerstand.

Und so war nach wenigen Minuten alles erledigt und wir schauten uns die Fotos auf ihrem Laptop an. Und dabei hörte ich die Flirtversuche eines zweiten Fotografen, der einer Kundin versicherte, wie schön ihre Augen seien. Ich hätte ihm ja Folgendes vorgeschlagen: „Deine Augen strahlen wie zwei Diamanten, so strahlend rein, dass sich das Licht der Sonne darin bricht, sodass alle Farben des Lichtspektrums sichtbar werden, welche aber noch lange nicht so zahl- und facettenreich sind wie deine Persönlichkeit!“, dies wäre aber wahrscheinlich etwas übers Ziel hinausgeschossen. Meine Fotografin fand diese Annäherungsversuche offenbar nicht so amüsant wie ich und fragte mich irgendwann deutlich im ganzen Studio hörbar, ob es mich glücklich machen würde, wenn sie mir ebenfalls sagt, dass meine Augen schön seien. Dies war natürlich nicht nötig, das wusste ich ja schon selbst. Ihr Kollege allerdings schien ein wenig peinlich berührt zu sein, was sie offenbar zufrieden stellte. An dieser Stelle nochmal Respekt für diese Aktion. So ging ich nämlich nicht nur mit Fotos aus dem Studio, auf denen ich unter Umständen zu erkennen bin, sondern auch mit guter Laune.

Eins der Passfotos sollte dann auch zeitnah seiner Bestimmung zugeführt werden und so machte ich mich auf dem Weg zum Bürgerbüro. Und weil ich dort nicht mehrere Stunden meiner Lebenszeit verbringen will, hab ich von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, einen Termin zu vereinbaren. So saß ich mit der Gewissheit im Warteraum, dass dieser Aufenthalt von kurzer Dauer sein würde, was aber auch sehr angenehm war, da dieser Raum offenbar für intensive Seelsorge genutzt wird. So berichteten sich zwei Frauen von ihren verschiedenen Aufenthalten in geschlossenen Heilanstalten und der mangelnden Empathie ihrer behandelnden Ärzte und zwar in einer Lautstärke, die mich fragen ließ, ob ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit fremder Menschen für diese Unterhaltung unabdingbar ist.
Glücklicherweise wurde ich nach wenigen Minuten aus dieser Unterhaltung gezogen und konnte meinen neuen Personalausweis beantragen. Dies verlief auch ohne weiteren erwähnenswerten Zwischenfälle, einzig mein freudiges „Ja, sicher!“ auf die Nachfrage der Sachbearbeiterin, ob ich meine Fingerabdrücke im Ausweis abgespeichert haben möchte, schien sie ein wenig zu irritieren. Zumindest gab sie zu, diese Antwort noch nie so euphorisch gehört zu haben.
Und so ging diese Woche auch wieder mehr oder weniger zufriedenstellend zuende. Bis zum nächsten Mal!

*Dieser Hinweis erscheint mir angesichts einer neuen Studie angebracht, wonach die Aufmerksamkeitsspanne des Menschen in den letzten 15 Jahren von 12 Sekunden auf neun Sekunden gesunken sein soll. Zugegeben, auch zwölf Sekunden wären bei der Länge meiner Texte ein wenig kurz. Ich hoffe trotzdem mal, dass auch sich auch zukünftig ein paar Leute hierher verirren und mehr als die ersten Zeilen meiner Beiträge lesen. 😀

Ein Kommentar zu „Von vermenschlichten Hunden und verliebten Fotografen

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