Von klangvollen Aldigesprächen und Wasserrutschen

Man könnte einen Arbeitstag als langweilig bezeichnen, an dem man seinen Bürokollegen angerufen hat, um sich gegenseitig in die Warteschleife zu stellen und die Wartemusik über Lautsprecher als Untermalung der Mittagspause nutzte. Man könnte aber auch sagen, das spricht für die Musik ebendieser Warteschleife. Und letzteres ist tatsächlich der Fall, falls jemand von euch tatsächlich mal die Gelegenheit hat, in unserer Warteschleife zu landen, freut euch auf rhythmische Ekstase im Rausch der Musik. Oder so ähnlich.
Eine weitere Woche geht zu Ende und mit Erschrecken stellte ich fest, dass in fünf Monaten das neue Jahr bereits angefangen hat. Wer auch immer dafür verantwortlich ist: So langweilig ist mein Leben nun auch nicht, als dass man dauernd vorspulen müsste!

Und was ist sonst so passiert, abgesehen von der allmonatlichen Erschrockenheit über das fortschreitende Jahr? Diese Woche hatte ich wieder einmal das Vergnügen, im Aldi einzukaufen. Ich mag Aldi an sich recht gerne, es ist günstig und trotzdem hat man bei den Lebensmitteln nicht das Gefühl, jeden Moment sterben zu müssen, weil man mit Resten von benutzten Brennstäben gefüttert wird. Wären dort nur nicht ein paar Mitmenschen der unangenehmeren Sorte. Nicht nur, dass sie sich als mobile Blockade mitten im Gang positionieren, um ihre geistreichen Gespräche zu führen, diese Gespräche kreisen auch störend oft um das Thema, wie viele Frauen so bemitleidenswert waren, in die intime Gesellschaft dieser Herren zu geraten. Dabei sei auch die bemerkenswerte Satzstruktur erwähnt, in der „ey“ nicht nur als Komma benutzt wird, das wäre untertrieben. Nein, der fortgeschrittene Nutzer dieses Slangs benutzt „ey“ als Präfix und Suffix jedes zweiten Wortes, sowie als Lückenfüller zwischen zwei Worten, wobei jeder Satz mit „Amina Koyim“. Wer nicht wissen sollte, was das bedeutet, kann gerne mal „AMK“ bei Google eingeben und es natürlich auch benutzen, um sich einen Ruf als Lingualästhet zu verpassen….
Glücklicherweise endete mein Besuch in diesem Geschäft dann doch versöhnlich, weil mir die Kassiererin, wohl überrascht ob meiner Freundlichkeit, ein breites Lächeln schenkte. Möge ihre gute Laune angesichts der übrigen Kunden die Zeit überdauert haben.

Als ich dann eines Abends gelangweilt den Playstore auf meinem Smartphone durchstöberte, stieß ich auf eine App mit dem dem klangvollen Namen Wasserrutsche bergab. Ehrlich, das heißt so. Man muss den Entwicklern lassen, dieser Name ist derart debil, dass er mich dazu getrieben hat, die App zu installieren. Ein Name wie Waterslide Wonderland oder eine ähnlich kreative Alliteration hätte mich wahrscheinlich kaum dazu bewegt, dem Ganzen ein wenig meiner Aufmerksamkeit zu schenken, insofern ist das schon ein Pluspunkt für Wasserrutsche bergab.
Was sich dann aber hinter diesem Namen verbirgt, hat mich zutiefst schockiert. Dieser laut den Entwicklern extreme Wasserpark-Nervenkitzel besteht darin, dass man eine Spielfigur durch einen Freizeitpark steuert, in dem nur die Wasserrrutsche irgendeine Art von Interaktion bietet, welche sich aber wiederum darauf beschränkt, dass man mit einem Aufzug an die Spitze der Plattform, wo man die überwältigende Auswahl zwischen verschiedenfarbigen Schwimmringen und Schlauchbooten hat, um den extremen Wasserpark-Nervenkitzel am eigenen Leib zu spüren. Und nun ja, diese Beschreibung trifft das tatsächliche Rutscherlebnis weniger gut auf den Punkt als der Titel dieser Perle der Smartphonespiele. Denn es geht eben auf einer Wasserrutsche bergab und mehr gibt es da auch nicht zu sagen. Man sieht seiner Spielfigur zu, wie sie unerschrocken steif auf dieser Rutsche hinabrutscht und kann das Ganze dann beliebig oft wiederholen, um alle Schlauchboote und Schwimmreifen freizuschalten. Ich gehe allerdings davon aus, dass eher Teile des Gehirns absterben, sodass man niemals in der Lage sein wird, das Spiel zu beenden. Schade eigentlich.

 

6 Kommentare zu „Von klangvollen Aldigesprächen und Wasserrutschen

    1. Ich hoffe nicht. 😀 Auf meinen mobilen Antivirus ist eigentlich Verlass.
      Es geht, meistens kann ich meine Mitmenschen beim Einkaufen dh ausblenden. Doch manchmal ist das Ganze dann doch derart primitiv und pentrant, das zwingt meine Aufmerksamkeit quasi zu diesen Gesprächen.

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  1. AMK? Das kannte ich noch nicht. Bis sich derlei Dinge in unsere Gegend verirren, dauert es recht lange. Zudem sind die meisten Türken hier Kurden, in ihrer Mehrheit erwerbstätige und höfliche Leute.

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