Der zweifelhafte Kampf des Feminismus

An diesem wundervoll warmen und leider dann gewitterreichen Tag fiel mir eine Kolumne im Spiegel ins Auge. Und keine Sorge, das soll gewiss keine Werbung sein.
Es geht jedenfalls um eine Kolumne von Margarete Stokowski. Diese junge Dame schreibt des Öfteren feministische Kolumnen für eben den Spiegel, was an sich schon nicht dafür sorgt, meine Aufmerksamkeit zu gewinnen.
Diese jedoch hat es erreicht, dass ich mich ihr näher widme und diesen Eindruck will ich mit euch teilen. Auch auf die Gefahr hin, dass einerseits mein gewohnter Humor vermisst wird und sich andererseits darüber empört wird, dass ich als Mann einen feministischen Artikel kritisiere, will ich mich einigen Passagen widmen:

Im deutschen Film und Fernsehen haben Männer doppelt so oft Hauptrollen wie Frauen. Wenn Frauen vorkommen, dann hauptsächlich als junge Frauen unter 30. Im Kinderprogramm ist nur eine von vier Hauptfiguren weiblich. Das sind Beispiele für Ergebnisse einer senderübergreifenden Studie, die letzte Woche vorgestellt wurde. So weit, so wenig überraschend und natürlich trotzdem falsch. Würde irgendjemand auf der Welt denken, „Ja, fein, wenn die Rollen so ungleich verteilt sind, dann wird das schon seine Gründe haben, und wir lassen das jetzt einfach so“?

Also ehrlich gesagt hätte ich die Rollenverteilung in diesem speziellen Fall tatsächlich einfach so hingenommen. Wir müssen nicht darüber diskutieren, dass Frauen in Sachen Gehälter und dem Einstieg in gewisse Berufsgruppen wahrscheinlich immer noch benachteiligt sind und diese Benachteiligung beseitigt werden, aber in der Schauspielerei den Fakt, dass es mehr männliche als weibliche Hauptrollen gibt, grundlegend als „falsch“ zu bezeichnen, halte ich für… naja, tatsächlich falsch.
Man könnte jetzt ganz simpel damit argumentieren, dass es eben nicht so viele Frauen gibt, die das Thema Familie komplett auf Eis legen wollen, um eine Schauspielkarriere zu verfolgen, die eben mit vielen Opfern verbunden ist. Und wenn weniger Frauen gibt, die diesen Weg einschlagen, ist der Prozentsatz von Schauspielerinnen, die den absoluten Durchbruch schaffen, eben auch dementsprechend geringer. Aber das erscheint unserer Frau Stokowski wohl zu abwegig.

„Geht’s in der Fiktion nicht auch darum, eine Traumwelt zu zeigen […] und Sie wollen das jetzt mit so einer Geschlechterproporzgeschichte überziehen und geraderücken?“

Ja, gute Frage. Also, nein, nicht besonders gute Frage, aber interessant: Wollen Feministinnen die Leute umerziehen? (Und Traumwelten zerstören!) Die Formulierung ist zumindest mal bemerkenswert, zum einen weil „Umerziehung“, auf eine Gesellschaft bezogen, ein Begriff ist, der sich in rechten Kontexten findet, wenn es darum geht, linke oder vermeintlich linke Politik zu diskreditieren. Und zum anderen, weil derjenige, der von „Umerziehung“ spricht, statt zum Beispiel einfach von Veränderung, sich in ein pädagogisches Verhältnis setzt – warum? Weil er ahnt, dass er keine Ahnung hat? Just asking.

Der Hinweis darauf, dass „Umerziehung“ ein Begriff ist, der im rechten Spektrum verwendet wird, ist an dieser Stelle absolut fehl am Platz, denn der Autorin geht es in diesem Absatz einzig und allein darum, Feministin in die Opferrolle zu rücken, die eine ernsthafte Diskussion extrem müßig macht. „Oh guckt mal, der böse Nachrichtenmoderator vergleicht das Tun von Feministen mit dem Werk von Rechten! Wie beschämend!“. Nein, das war nicht ansatzweise der Gedanke von Claus Kleber. In dieser Diskussion geht es nicht Politik, es geht um die Sache. Und in der Sache gebe ich dem Herrn vom ZDF absolut recht. Der Begriff „Umerziehung“ passt deshalb, weil um jeden Preis versucht wird, der Gesellschaft ein bestimmtes Frauenbild aufzuzwingen. In diesem Fall das Bild, dass Frauen genauso gute Schauspieler sein können wie Männer. Natürlich können sie das, das steht außer Frage, aber das müssen sie nicht allein deshalb schon können, weil sie Frauen sind.

Umerziehen wollen Feministinnen die Leute nur in dem Sinne, ihnen zu zeigen, dass die jetzige Welt nicht alternativlos ist. Will die BBC die Leute gehirnwaschen, indem sie eine weibliche Doctor Who besetzen – oder wollen sie einfach zeigen: „Guckt mal, das geht auch“?“ Natürlich haben die Leute die männlichen Doctor Whos bisher allesamt akzeptiert, es gab ja keine anderen. Die Leute haben auch in ihren Häusern Asbest verbaut, als sie noch keine Ahnung hatten, wie gefährlich das ist.

Natürlich geht das auch. Ich kenne niemanden, der ernsthaft bezweifelt hat, dass Frauen Hauptrollen gut ausfüllen können. Ich möchte an dieser Stelle nur Emma Watson und Jennifer Lawrence erwähnen, die ich beide als Schauspielerinnen extrem bewundere.
Ich verstehe einfach nicht, wieso das Geschlecht von Schauspielern überhaupt erwähnenswert ist. Als würden große Teile der Gesellschaft im Kino sitzen und sagen „Der Film war schlecht, weil eine Frau die Hauptrolle gespielt hat!“. Das hat nichts mit dem Geschlecht zu tun. Ein Schauspieler ist nicht überzeugend oder eben nicht, weil er ein bestimmtes Geschlecht hat. Er ist überzeugend, weil er seine Rolle glaubhaft vermittelt (an dieser Stelle sei gesagt, dass ich männliche Bezeichnungen stellvertretend für beide Geschlechter benutze. Ich werde meine Texte nicht dadurch misshandeln, zwanghaft beide Geschlechtsformen zu verwenden und verweise auf das generische Maskulinum) und Emotionen transportiert.
Diese Leistung als Kriterium hinter das Geschlecht zu stellen, ist einfach nur Nonsens.

Im Moment ist es so, dass Männer, die man nach ihren Vorbildern fragt, fast immer andere Männer nennen. Das ist kein Wunder, aber auch schade. Warum nicht mal eine Frau? Ist das unangenehm? 

Das ist einfach nur eine ignorante und destruktive Argumentation. Haben Frauen Männer als Vorbilder? Ich gehe nicht davon aus. Ist das irgendwie verwerflich? Natürlich nicht.
Was hat eine 30-Jährige alleinerziehende Mutter, die aufgrund der Betreuungssituation ihres Kindes keinen Beruf findet davon, wenn ich sie als mein Vorbild bezeichnen würde? Nicht ganz so viel. Mit dieser Frage will ich zeigen, wie absurd gewisse Forderungen von Feministen sind.
Anstatt sich dem Ziel zu widmen, dass Frauen die gleichen Chancen auf ihren gewünschten Beruf haben wie Männer, wird  aufgezeigt, wie tief geschlechterspezifische Ungerechtigkeit in unserem Denken verankert sein soll und das ist einfach unseriös.

Es muss einfach normal werden, dass Frauen die Hälfte der wichtigen Jobs machen, das ist eigentlich nicht so kompliziert.

Ganz simple Frage, warum? Warum soll das Geschlecht dazu befähigen, einen gewissen Anspruch auf einen Beruf zu haben. „Das hat sie gar nicht gesagt!!1einself!“, aber die Aussage impliziert genau das. Warum sollen Frauen und Männer nicht einfach mit ihrer Kompetenz um Arbeitsstellen konkurrieren? Was ist der Vorteil für diese Gesellschaft, wenn die Anzahl von Frauen und Männern in beispielsweise Führungspositionen ausgeglichen ist?
Wie gesagt, ist es unstrittig, dass Frauen und Männer den gleichen Zugang zu jeder Art von Beruf haben sollen. Inwieweit das der Fall ist, kann ich nicht beurteilen und darum soll es auch nicht gehen. Ich will einfach nur, dass Menschen mit ihrer Leistung überzeugen. Sollte es mehr geeignete weibliche Bewerber für bestimmte Stellen geben, dann werden eben mehrheitlich Frauen gewählt oder andersherum. Es ist einfach nicht zielführend, unbedingt absolute Gleichheit schaffen zu wollen. Das sorgt lediglich für Frustration und untergräbt die Autorität von denjenigen, die aufgrund ihres Geschlechts bevorzugt werden.
Extrem zweifelhaft ist auch die Betonung „wichtiger Jobs“. Zunächst einmal würde mich sehr interessieren, was Frau Stokowski als wichtigen Job bezeichnen würde.
Man könnte meinen, in der Traumwelt der Autorin bekleiden alle Frauen gut bezahlte Führungspositionen, während in „unwichtigen Jobs“, die es ja offenbar geben muss, sonst wäre eine so explizite Erwähnung nicht notwendig gewesen, eine nicht gleiche Verteilung hinnehmbar ist? Ich bin mir sicher, dass würde unsere Gesellschaft so viel fairer gestalten…

Dabei haben Männer durchaus große Chancen, auch wenn der Feminismus stärker wird, noch glanzvolle Rollen abzukriegen.

Vor einigen Jahren hätte dieser Satz wahrscheinlich noch in etwa ausgesehen:
„Dabei haben Frauen durchaus große Chancen, auch wenn die Dominanz der Männer stark ist, noch glanzvolle Rollen abzukriegen.“
Ich sehe darin keinen Fortschritt. Das Ziel unserer modernen Gesellschaft sollte es doch eben sein, geschlechtsspezfische Vor- und Nachteile zu beseitigen und eben nicht, einige Nachteile durch andere Vor- und Nachteile zu ersetzen. Wenn ein Mann eine Stelle nicht bekommt, weil eine gleich qualifizierte Frau allein ihres Geschlechts wegen bevorzugt wird, dann ist das genauso ungerecht und rückständig wie umgekehrt.

Der kanadische Premierminister Justin Trudeau hat nach seinem Amtsantritt sein Kabinett zur Hälfte mit Frauen besetzt und wurde gefragt, warum. Darauf antwortete er: „Because it’s 2015.“

Herzlichen Glückwunsch dazu, Herr Premierminister. Sie haben es mit einem Satz geschafft, den Ruf dieser Ministerinnen von Anfang an zu beschädigen. Dabei nicht ansatzweise die fachlichen Qualitäten herauszuheben, ist einfach nicht klug. Es ist doch nicht modern, Frauen in Führungspositionen zu holen, weil sie Frauen sind. Es ist modern, solche Positionen mit kompetenten Menschen zu bekleiden, unbeachtet des Geschlechts, der Herkunft oder was auch immer.
Vor Jahrzehnten wäre es unmöglich gewesen, dass Frauen Ministerposten bekleiden. Und heute sollen sie es allein aus dem Grund tun, weil sie Frauen sind? Ich sehe zwischen beiden Denkweisen keinen Unterschied, in beiden Fällen wird ein unnötigerweise begrenzter Horizont an den Tag gelegt.

Ich glaube, ich habe mich hier einige Male wiederholt. Aber es macht mich fassungslos, wieso man das Geschlecht so unpassend in den Blickpunkt stellen muss. Ich habe keine repräsentative Umfrage gemacht und weiß somit nicht, wie Frauen zu diesem Thema stehen, aber mir persönlich wäre es unangenehm, dass nicht meine Fähigkeiten, die ich mir selbst angeeignet habe und auf die ich stolz sein kann, in den Fokus gerückt werden, sondern größtenteils mein Geschlecht, mit dem ich einfach nur geboren wurde. Das ist ein Schritt in die völlig falsche Richtung.

Das soll es aber auch zu dem Thema gewesen sein. Wenig unterhaltsam, absolut, aber ich kann solch eine in meinen Augen irrsinnige Sichtweise nicht unkommentiert stehen lassen. Wenn ihr das anders seht, schreibt es in die Kommentare, mich würde eure Meinung dazu sehr interessieren! 🙂

5 Kommentare zu „Der zweifelhafte Kampf des Feminismus

  1. Ja, irgendwie hat mich die Randgruppenpolitik für Frauen, die in ihrer Menge, falls ich da richtig informiert bin, ja, nicht ganz mit einbeinigen Radrennfahrern gleichzusetzen sind, schon immer gestört. Aber es ist ja auch ziemlich verwirrend, wenn es Bezeichnungen wie „Frauen- und Behindertenbeauftrage/r“ gibt. Ich fühle mich tatsächlich hin und wieder behindert z.B: beim Joggen ohne Sport-BH. Lange Rede usw. – Ich halte nichts von Quoten und Genderwortfaschismuss(-)Innnen. Und bin Feministin.was übrigens nur bedeutet, dass man der Auffassung ist, dass Frauen die gleichen Rechte und Chancen haben sollen, wie Männer – sprich keine Benachteiligung auf Grund des Geschlecht. Anstatt uns also krampfhaft immer mehr voneinander abzugrenzen, bin ich für unisex überall – Berufsbezeichnungen (wie z.B. im Englischen), Toiletten ect. bla bla… das würde auch gleich all den anderen Gendern (trans, fluid, nongender ect) zugutekommen. Diese sogenannten Feministinnen, die immer recht „laut“ daherkommen, sind keine Feministinnen. Sie sind einfach nur doof. Unterdrückung hat immer zwei Seiten – da wäre der Unterdrücker und dann sind da die, die sich unterdrücken lassen. Bei Minderheiten ist das ja noch verständlich, aber bei 51% der Weltbevölkerung müssen wir uns eine andere Ausrede einfallen lassen, als den bösen, bösen Mann (der ja auch von Frau erzogen wird).

    Fazit: Ja, Männer sind leider viel zu oft ziemlich unangenehme Zeitgenossen, aber Zetern hilft da nicht. Vermehren wir uns Frauen doch einfach nicht mehr mit den dümmsten Vertretern dieses Geschlechts (umgekehrt natürlich auch) und bringen unseren Kindern Respekt und Anstand bei, dann brauchen wir auch keine Quoten.

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  2. Wenn ich es kurz machen darf: Da tickt jemand nicht richtig! Und ich meine nicht den Autor dieses Blogs! 😉
    Dieses Gebrüll mancher Frauen geht mir ordentlich auf den Keks. Und ich bin kein Mann!

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