Erst die Arbeit, dann das Feiern – Warum man dies nicht kombinieren sollte

Betriebsfeste sind toll. Einfach mal in entspannter Atmosphäre die Kollegen privat kennenlernen, ein paar Bier trinken und das Ganze noch auf Dienstzeit. Und ja, mit meinen Kollegen hab ich tatsächlich einen wahren Glücksgriff gelandet. Mal abgesehen von den immer vorhandenen Ausnahmen und Leuten, mit denen man nicht so den extremen Kontakt pflegen will, finden sich einige ganz unterhaltsame und tolle Menschen darunter. In diesem Punkt hat das diesjährige Betriebsfest also sein Soll erfüllt. Aber selbstverständlich gab es auch wieder einige Punkte, die das Gesamterlebnis etwas getrübt haben.

Fangen wir bei der Grundlage an, der Versorgung mit Essen und Getränken. Ich war schon auf einigen Dorffesten oder auch größeren Veranstaltungen und immer hat die Versorgung mit Essen und flüssiger Nahrung mehr oder weniger gut funktioniert. Aber diesmal war die Zeitspanne zwischen „Ich stelle mich mal eben am Getränkestand an.“ und „Yey, mein Bier ist da!“ entschieden zu groß, sodass das eben erwähnte freudige „Yey“, das ich diesen Momenten zumindest gedanklich gerne von mir gebe, entfiel.
Und auch warme Nahrung war nicht ohne größeren Zeitaufwand zu erstehen. Während ich in der Schlange wartete, beobachtete ich die Abläufe am Essensstand und mir offenbarte sich einer der Gründe für diesen sehr zeitintensiven Aufenhalt: Bei der Vorbereitung der Flammkuchen wurden mit unfassbarer Akribie einzelne Zwiebel- und Speckwürfel auf dem Teig verteilt, nachdem dieser mit offenkundiger Zuneigung mit Schmand bestrichen wurde. Und wehe, die Schmandschicht war auch nur um einen Millimeter uneben, dann konnte man diesen Flammkuchen eigentlich wegwerfen. So kam es mir zumindest vor und offenbar war ich nicht der Einzige, der diesen Gedanken hegte.
Nachdem ich endlich etwas gegessen und getrunken hatte und das halbe Betriebsfest damit vorbei war, konnte ich mir das Programm des Sportvereins mal genauer ansehen. Dieses fiel in den letzten Jahren unter anderem mit einem Menschenkickerturnier sehr positiv auf. In diesem Jahr fing das Elend schon damit an, dass das Areal des Sportvereins sehr abseits gelegen war und kaum noch Musik bis zu diesem Teil des Geländes gelangte. Zudem wurde man nicht einmal von adrenalingeladenem sportlichem Ehrgeiz begrüßt, es blieb bei einem einfachen Torwandschießen in Turnierform. Somit wurde selbst mein ansonsten vielleicht etwas übermäßiger sportlicher Ehrgeiz nicht geweckt und damit war ich offenbar nicht allein.

Das Highlight des Programms war offenbar ein Saxophonkünstler, dessen Namen ich kleines Licht mich hier gar nicht zu erwähnen traue. Der Herr jedenfalls verkündet sich selbst als der „Lord des Saxophons“, seine einzige Schwäche muss also seine Bescheidenheit sein.
Und während er da in seinem grauen Anzug mit Pilotenbrille auf der Bühne stand, sein Saxophon einspielte, von seinem Partner mit langen Haaren und einer Terminator-Sonnenbrille auf  Trommeln begleitet wurde und leicht angeheiterte ü40-Damen ihm begeisterte und hormongeladene Blicke zuwarfen, fragte ich mich langsam, ob es nicht an der Zeit wäre, diesen wundersamen Ort zu verlassen.
Meine Neugier obsiegte jedoch und bald darauf begann auch der Auftritt dieses Herrn. Und ja, musikalisch kann man ihm tatsächlich keinen großen Vorwurf machen, aber sein übriges Gehabe auf der Bühne war doch etwas befremdlich. So begann er seinen Auftritt mit den Worten „Stellt euch vor, hier wäre überall Nebel, eine Lasershow und geile Stimmung!“. Alles klar. Wir könnten uns dann ja auch gleich vorstellen, einen richtigen Künstler auf der Bühne stehen zu haben, wie wärs damit?
Als er dann die Luft mit seinen Klängen zum Kochen brachte, füllte sich tatsächlich auch die Tanzfläche. Und ein junger Mann schien vollkommen in der Stimmung aufzugehen, vielleicht hatte er auch einfach ein paar Bier zu viel getrunken. Irgendwann schien ihm aufzufallen, dass er von lauter weiblichen Wesen umgehen war und machte Anstalten, sein Hemd ausziehen zu wollen. Bei der Statur des Herrn hätte dies an das Schälen eines Spargels erinnert und dieser Anblick wurde uns dann glücklicherweise doch erspart.

Beim Track „Angels“ von Robbie Williams versuchte der begnadete Saxophonist erneut, unsere Fantasie anzuregen: „Stellt euch vor, Robbie Williams stände auf der Bühne und auf einmal kommt ein verrückter Typ mit Sonnenbrille, Knackarsch und Saxophon dazu!“
In meiner Vorstellung hätte Robbie Williams die Bühne vor Scham verlassen.
Der Internetauftritt von diesem Herrn ist auch eher nicht so ganz professionell, tatsächlich ist die Seite seit ein paar Tagen offline, obwohl ich so viel Spaß damit hatte.
Der gute Herr wird dort auf jeden Fall mit dem Satz zitiert: „Das Beste auf der Bühne ist, eine Träne der Freude im Auge zu haben und so der Musik noch mehr Gefühl zu verleihen.“

Ja, ich konnte auch kaum noch an mir halten….

 

 

 

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