Ein Sonntag im Zeichen der Hunderettung

Zur Feier des wunderschön sonnigen Tages wird es mal wieder Zeit für einen kleine Geschichte. Diese Geschichte mag einen wahren Kern haben, der durchaus unterhaltsam ist, aber nach dem Drehen an einigen Stellschrauben und einer leichten Verzerrung der Realität hoffe ich, ein gelungenes Gesamtkunstwerk geschaffen zu haben. Viel Spaß damit!

Es war ein wunderschön entspannter Sonntag, Steffi verbrachte einen wohlverdienten Sonntag auf der Wohnzimmercouch und das so entspannt, dass sich ihr Bewegungsradius auf die Strecke beschränkte, die ihr Arm benötigte, um abwechselnd zur Fernbedienung oder nach ihrem Handy zu greifen. Und letzteres sollte dafür sorgen, dass ihr Sonntag doch nicht so wohlig entspannt weitergehen sollte.
In einer lokalen Facebookgruppe entdeckte sie nämlich ein verdächtig wirkendes Angebot: Jemand bot ein Hundewelpen zum Kauf an. Und dieser jemand wirkte anhand seines Facebookprofils in der Tat nicht wie der morgens freundlich grüßende und von mehreren glücklich wirkenden Hunden, deren Fell in der Brise malerisch weht, begleitete Hundezüchter von nebenan. Und dieser Fakt zusammen mit der Tatsache, dass Welpen erst ab einem bestimmten Alter verkauft werden sollten, ließ Steffi skeptisch werden.
Sie kontaktierte eine junge Frau aus dem Kommentarbereich, die bereits ebensolche Zweifel geäußert hatte per privater Nachricht, ob sie etwas von dem vermeintlichen Verkäufer gehört hatte und als sie dies verneinte, beschlossen die beiden, sich kurzfristig zu treffen und den Herren bei der Polizei zu melden, um eine Überprüfung seiner Geschäfte zu verhandeln. Immerhin konnte es sich hier um einen illegalen Tierhändler handeln, der versucht, sein Einkommen auf den Schultern unschuldiger Hundewelpen aufzubessern. Die Geschäftsidee erscheint immerhin verlockend. Wo würdet ihr schwach werden? Bei einem zwielichtigen Schwarzhändler, der euch offenbar gefälschte Armbanduhren von Rolex, die aus gebrochenem Plastik besteht, und Handtaschen am Hauptbahnhof anbietet oder bei einem Herren, der euch verspricht, dass ihr einen Welpen mit kuschelweichem Fell in euer Zuhause holen könntet?
Jedenfalls traf Steffi die Kommentarfrau, welche übrigens Sabrina heißt, in der Nähe des nächsten Polizeipräsidiums. Und Sabrina war… nun ja, hätte Steffi sie nicht von ihrem Facebookprofil her erkannt, wäre sie ihr nicht als die Tierschützerin schlechthin aufgefallen. Denn Sabrina hatte nicht nur ein Herz für Tiere, sondern offenbar konnte sie es auch nicht ertragen, all die einsamen Make-up- und Kosmetikartikel in den Regalen stehen zu lassen und natürlich musste sie diese dann auch alle gleichzeitig benutzen und so erstrahlte ich Lächeln farbenfroher, als es unbedingt notwendig gewesen wäre.
Aber die richtige Einstellung schien sie zu haben, immerhin verschwendete sie gar keine lange Zeit mit unnötigem Begrüßungssmalltalk und so machten sich die beiden gleich auf zur Polizeiwache. Steffi ließ kurz den Blick schweifen und auch in dieser verantwortungsvollen Behörde wurden an jenem Sonntag (verständlicherweise) ein wenig die Zügel schleifen gelassen. So war ein Beamter damit beschäftigt, mit der Miniatur eines Streifenwagens seinen Schreibtisch zu erkunden, ein anderer frönte dem karussellartigen Gefühl der Fliehkraft auf seinem rotierenden Bürostuhl. Doch als Steffi und Sabrina das Büro betraten, erfüllte seriöse Betriebsamkeit den Raum, gemischt mit leichter Vorfreude ob der vielleicht nahenden Aufgabe.
Die beiden besorgten Hundeliebhaber schilderten sogleich ihre Beobachtung und bei den Worten „zwielichtig“ und „Handel“ ergriff ein leichtes Funkeln die Augen des Polizisten, der sich ihres Falles annahm. Wahrscheinlich witterte er die Gelegenheit, ein Netzwerk von Hehlern und Drogenhändlern zu zerschlagen. Dieses Funkeln ebbte aber ab, sobald die Geschichte zu ihrem Punkt kam, nämlich dem Hundewelpen. Dennoch wurde Steffi und Sabrina die Hilfe versprochen, die sie sich erhofft hatten:
Sie sollten zu dem Verkäufer des Welpen mit vermeintlichem Verkaufsinteresse fahren, während in sicherer Entfernung eine Streife warten würde und im Zweifel eingreifen sollte.
Dieser Plan klang nicht nur furchtbar spannend, er war genau das, was sich Steffi und Sabrina in ihrem Kampf gegen Tierquäler und illegale Tierhändler erhofft hatten. Und so kontaktieren die beiden umgehend den Verkäufer und machten sich auf den Weg zu der angegebenen Adresse. Dort angekommen sahen sie sich um und waren etwas verwundert, dass sie in der näheren Umgebung keinen Streifenwagen sahen. Doch dies verunsicherte sie nicht, im Gegenteil. Die Polizei hatte bestimmt eine zivile Streife geschickt, um kein Aufsehen zu erregen.
Und so setzten Steffi und Sabrina ihr vertrauenswürdigstes „Wir würden an diesem wundervollen Sonntag so gerne einen niedlichen Welpen kaufen“-Lächeln auf und Steffi betätigte die Türklingel. Im Inneren erklang irritierend laut das Geräusch einer sich öffnenden Bierflasche, aber nichts, was entfernt an eine Türklingel erinnerte. Steffi drückte stirnrunzelnd erneut auf den Knopf und wieder wurde scheinbar eine Bierflasche geöffnet. „Haben die sich schon taub gesoffen oder was?“, beschwerte sich Sabrina und hämmerte mehrfach auf den Schalter der Türklingel und der Geräuschkulisse zufolge wurde der Inhalt eines gesamten Bierkastens geöffnet, wodurch es den beiden Hunderetterinnen dämmerte: Scheinbar hatte der Hausherr nicht nur eine Schwäche für den Verkauf junger Säugetiere, sondern auch für ausgefallene Türklingeln. Dieser Umstand fügte einen weiteren Mosaikstein in das eh schon nicht ganz so positive Bild des Verkäufers.
Dann wurde auch, begleitet von unterschwelligen Beschwerden, die Tür geöffnet und ein griesgrämiger Mann, den sie als ihre Zielperson erkannten, öffnete die Tür.
„Was soll denn die Sturmklingelei?“, begrüßte er sie.
„Tut uns leid, wir wussten nicht, dass das Ihre Türklingel war.“, antwortete Steffi.
„Was ist denn an der so unnormal?…. Wie auch immer, was wollt ihr denn von mir?“
„Haben wir schon mal zusammen Schafe gehütet oder warum duzen Sie uns?“, schoss es  Steffi durch den Kopf, entschied sich dann aber doch für eine weniger konfrontativen Einstieg in das Gespräch und fragte stattdessen, ob sie mal den angebotenen Welpen sehen dürften.
Der Verkäufer legte die Stirn in Falten und entgegnete: „Der ist schon verkauft. Und außerdem hab ich keine Zeit, einen schönen Tag noch!“
In diesem Moment ertönte ein freudiges Bellen im Hintergrund.
„Das war mein Telefon!“, rief der Herr panisch und knallte ihnen die Tür vor der Nase zu.
Somit war der Besuch doch schneller vorbei, als es sich Steffi und Sabrina vorgestellt hatten und einen kleinen Welpen hatten sie dennoch nicht retten können.
Niedergeschlagen riefen sie bei der Polizei an, um Bescheid zu geben, dass die Kollegen, die für den Notfall dort stationiert waren, jetzt abgezogen werden konnten.
Diese Neuigkeit schien den Polizisten, der zuvor noch engagiert schien, zu verwirren. Denn die beauftragten Polizisten hatten offenbar schon vor ihrer Ankunft nach dem Rechten gesehen und keinen Hund vorgefunden.
Auch die Beteuerungen der beiden, den Hund gehört zu haben, schien ihn nicht umzustimmen, außerdem sei der Fall jetzt eh abgeschlossen.
Es war eben doch ein Sonntag, auch in der Polizeibehörde.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s