Astrologischer Wochenstart #27

Nach dem durchweg positiven Feedback zum letzten Astrologischen Wochenstart, welches sicherlich mit der entwaffnend herzlichen Gabi zu tun hatte, wollen wir auch an diesem letzten Montag des Monats November, der eigentlich nur als „der Monat vor der Weihnachtszeit“ eine zweifelhafte Aufmerksamkeit genießt, ein Horoskop lebendig wirken lassen, um die an Detailreichtum nicht zu übertreffenden Ausführungen unseres liebsten Astrologen angemessen zu würdigen. Heute widmen wir uns dabei dem Sternzeichen des Stieres:

Liebe

Der amouröse Alltag gestaltet sich zunehmend harmonischer. Vielleicht können Sie es einrichten, dass das kommende Wochenende ausschließlich dem Partner gehört. Vor allen Dingen sollten Sie auch mal aussprechen, was Sie für Ihren Schatz empfinden! Kleine, ehrliche Liebeserklärungen können wahre Wunder wirken.

Beruf

Sie sind von sich und Ihrer Sache dermaßen überzeugt, dass Sie vielleicht ein bisschen zu hoch pokern. Und am Ende sammeln Sie bei Vorgesetzten keine Plus-, sondern eher Minuspunkte. Vor allen Dingen dürfen Sie sich nicht festbeißen und Ihre Kompetenzen überschätzen. Gewisse Kompromisse sind jetzt unumgänglich.

Gesundheit

Einige herausfordernde Konstellationen können Ihre allgemeinen Antriebskräfte ein wenig beeinträchtigen. In dem Fall müssen Sie sich dann bitte nicht auch noch zu physischen Höchstleistungen zwingen. Machen Sie doch einfach mal halblang, wenn der Körper es braucht. Denken Sie nicht nur an die Pflicht, genießen Sie die Kür!

 

„Was für ein Unsinn!“, entnervt schleuderte Ralf die Tageszeitung beiseite, nachdem er wie jeden Tag sein Horoskop durchgelesen hab, scheinbar nur, um sich über das Gelesene aufzuregen, weil ihm erneut kein unermesslicher Reichtum versprochen wurde, den er seiner Meinung nach seit Jahren verdiene. Ungeklärt ist, ob seine Reaktion anders ausfiele, wenn ebendieser Reichtum laut eines Horoskops einer Tageszeitung bevorstünde.

Manuela, seine Ehefrau, betrat die Küche und bereitete das Frühstück vor. Laut Ralf herrschte in diesem Haushalt eine ehrliche Arbeitsteilung, die man bereits beim Frühstück bewundern konnte: Ralf bereitete jeden Morgen genau eine Tasse Kaffee für sein Studium der Tageszeitung zu, während Manuela ein reichhaltiges Frühstück vorbereiten durfte.
Während man beim Frühstück sanft in den Tag startete, herrschte eine durchaus harmonische Stimmung, denn es wurde geschwiegen. Das ist deshalb harmonisch, da man nicht streiten kann, während man sich anschweigt.
Ralf durchbrach diese Stille mit einem liebevollen Lob für die Kochkünste seiner Frau: „Zur Abwechslung hast du die Eier nicht steinhart gekocht!“. Diese kleinen Liebesbekundungen machten den Alltag für Manuela jedes Mal aufs Neue zu etwas Besonderem…

Kurz darauf machte sich Ralf auf den Weg zur Arbeit, er war Buchhalter in einem stolzen mittelständischen Unternehmen, das sich auf die Produktion und den Vertrieb von Dübeln spezialisiert hatte. Doch in letzter Zeit missfielen Ralf die Geschäftsstrategien seines Arbeitgebers sehr und so hatte er sich eine neue Leitlinie überlegt, die er bei der heutigen Sitzung mit dem Geschäftsführer vorstellen würde.

Die Sitzung begann, mehrere wichtig aussehende Männer in Anzügen, die allesamt Manschettenknöpfe in Form von Dübeln trugen, saßen bereit und tranken in einem synchronen Rhythmus schwarzen Kaffee aus weißen Tassen. Dieser Anblick drohte Ralf zu hypnotisieren, bis ihn die Bitte des Geschäftsführer, Herrn Dubel, aus seiner Trance riss, er solle bitte die Geschäftszahlen des aktuellen Quartals präsentieren.
Diese Präsentation bestand seit zehn Jahren daraus, dass Ralf eine unveränderte und langweilige PowerPoint-Präsentation erklärte, die die seit jeher gleichen Zahlen zeigte und die Anzugträger dazu bewegte, ihre synchrone Kaffeetrinkbewegung um ein synchrones Kopfnicken mit gewichtiger Miene zu ergänzen. Diese Choreographie zog Ralf erneut kurz in ihren Bann, doch er entriss sich diesem Schauspiel und begann seine auswendig gelernte Rede: „Meine Herren!“, die angesprochenen Herren unterbrachen ihr Kopfnicken, doch setzten das Kaffeetrinken fort. „Meine Herren! Seit jeher fehlt es unserem Unternehmen an bahnbrechenden Ideen, die Menschen sind gelangweilt von uns. Sie kaufen unsere Dübel, aber sie kaufen sie nicht aus Leidenschaft! Aber das ist ab heute vorbei, ich präsentiere Ihnen die neuen Samtdübelchen:“ und gleichzeitig startete er ein verstörendes Video, das zunächst eine Szene in schwarz-weiß zeigte, in der unglücklich dreinblickende Menschen gewöhnliche Dübel in Wände steckten, um Bilder von anderen unglücklich dreinblickenden Menschen aufzuhängen. Dann wechselte die Szene und man sah Menschen in einer Welt, auf die ein extrem gesättigter pinker Filter angewendet worden war, welche furchteinflößend fröhlich wirkten und Dinge in die Wand steckten, die entfernt an Dübel erinnerten, aber mit langem Fell bedeckt waren, um daran Bilder aufzuhängen, die ekstatische Menschen zeigten, welche offenbar mehrere bewusstseinserweiternde Substanzen gleichzeitig konsumiert hatte. Die Bilder fielen allerdings sofort wieder von der Wand, da das üppige Fell die ursprüngliche Funktion eines Dübels nicht unbedingt unterstützte. Dies tat der in der Szene herrschenden Freunde allerdings keinen Abbruch, im Gegenteil.

Die Vorstandsmitglieder tranken weder Kaffee, noch nickten sie. Sie sahen Ralf, der noch triumphierend lächelte, mit durchdringendem Blick an. Herr Dubel ergriff als Erster das Wort „Sie haben eindeutig Ihre Kompetenzen überschritten! Sie sind Buchhalter und sollen…. Buch halten! Verlassen Sie sofort dieses Büro und lassen uns die Geschicke dieses Unternehmens lenken!“
Verwirrt, aber immer noch überzeugt von seiner Idee verließ Ralf den Raum, während die Vorstandsmitglieder wieder dazu übergingen, synchron ihren Bohnenkaffee zu genießen.

Ralf nahm sich im weiteren Verlauf dieses Tages vor, weiter an seiner Idee zu feilen, während er die immer gleichen Zahlen verbuchte.

Eigentlich wollte Ralf noch zum Sport, aber in Anbetracht fehlender Antriebskräfte wollte er sich nicht zu Höchstleistungen zwingen. Also wartete er, bis alle Kollegen im Feierabend waren, bestellte eine Familienpizza ins Büro und erforschte die Weiten des Internets.
Dabei fiel ihm ein, dass er mal wieder ein romantisches Wochenende mit Manuela verbringen könnte – und bestellte zwei Karten für die kommende Dübelmesse.

Als er nach Hause zurückkehrte, hatte seine Frau bereits drei Stunden damit verbracht, ein stattliches Abendessen zu zaubern. Ralf wollte im Zeichen der Arbeitsteilung seinen Teil dazu beitragen und öffnete sein Bier selbst, während er sich setzte.
Schweigend frönten sie dem Essen und ihrer Liebe, bis Ralf säuselte. „Der Braten ist sogar nicht vollkommen zerkocht!“.
Kleine Liebesbekundungen wirken eben doch Wunder…

Ein Kommentar zu „Astrologischer Wochenstart #27

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s