Lebenszeitdementoren im Alltag

Ja, auch ich finde es toll, dass ich alles kaufen kann, was ich benötige. Vorausgesetzt natürlich, ich habe eine gewisse Menge an Kleingeld in meinem Penunzensäckchen. Und sofern sich meine Faulheit nicht gegen meine Ungeduld durchsetzt, was zugegebenermaßen nicht immer der fall ist, kaufe ich Dinge auch in Geschäften. Dabei bevorzuge ich große Einkaufszentren, da ich dort Artikel verschiedenster Art erstehen kann und auch Dinge kaufen kann, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie brauche. Dies gefällt mir sehr, meinem Penunzensäckchen jedoch nicht. Und was mir darüber hinaus nicht gefällt, sind gewisse Situationen und Mitmenschen, die nur zu dem Zweck existieren, mir auf die Nerven zu gehen. Und einige davon will ich euch heute vorstellen:

Ich kann  verstehen, wenn man mitten in der Innenstadt von Düsseldorf Platzprobleme hat, aber wenn die Konsequenz daraus ist, dass man eine Tiefgarage konstruiert, die selbst für Modellautos gerade so ausreichend ist, dann hat man eindeutig etwas falsch verstanden.
Dieser Umstand verführte mich nicht gerade dazu, mehr als die nötigste Menge meines hart verdienten Geldes in diesem Konsumtempel zu lassen und so verließ ich diesen unseligen Ort auch schnell wieder.

Oft fahre ich auch im Auftrag meiner Familie zum Metzger und um Bäcker, die beide außerhalb von Düsseldorf liegen, was aber keine große Herausforderung darstellt, da ich Autofahren liebe und dabei, begleitet von Musik, entspannt über die Landstraßen des Rhein-Kreis Neuss gleite. Was mich aber aus dieser Entspannung reißt, ist eine übervolle Metzgerei, deren Qualität sich tatsächlich weit über die Grenzen von Neuss herumgesprochen hat. Normalerweise ist das kein Problem, da die Bedienung zügig vonstattengeht. Diese Geschwindigkeit ist aber offenbar manchen Mitmenschen zuwider, die sich das Ziel gesetzt haben, Menschen ihre Lebenszeit zu stehlen. Kennt ihr die Dementoren aus Harry Potter? Diese Wesen ernähren sich vom Glück (und in letzter Konsequenz von der Seele der Menschen) und hinterlassen lediglich Verzweiflung. Mit diesen Kreaturen vergleiche ich jene Menschen, die in jeder Lebenssituation ein Hindernis sein wollen und sich offenbar an der Lebenszeit ihrer Mitmenschen laben.

Jedenfalls war ein Pärchen dieser Lebenszeitdementoren anwesend. Sie waren offenbar Stammkunden und hatten damit das Recht erworben, auf Rechnung einkaufen zu gehen und später zu bezahlen. Somit hatten sie noch drei Euro vom letzten Einkauf offen und äußerten nun de Wunsch, ihre Schulden mit ihrem jetzigen Einkauf zusammen zu begleichen. Die Bedienung musste nun in minutenlanger Kleinarbeit die Rechnung vom letzten Mal heraussuchen. Kein Problem, ich bin zwar nicht besonders geduldig, aber verständnisvoll, solange ich konstruktive Gedankengänge erkennen kann.
Endlich war die Rechnung gefunden, die Summe wurde zum heutigen Einkauf addiert und man hätte bezahlen können. Genau, man hätte bezahlen können, denn auf einmal wurde mit einer Selbstverständlichkeit geschildert, dass man heute auch kein Bargeld bei sich hätte und die gesamte Summe wieder in Rechnung stellen müsste. Viele Augenpaare richteten sich auf das Paar, eine leichte Aggressivität flammte auf. Diese eskalierte jedoch nicht, da die Bedienung diesen Wunsch in professioneller Demut akzeptierte und die beiden Lebenszeitdementoren den Laden verließen.

Ein weiteres Exemplar dieser Gattung kreuzte meinen Weg beim Bäcker meines Vertrauens. Ich betrat den Laden, eine Dame bezahlte gerade ihre erstandenen Backwaren und bekam den Kassenzettel. Dieser wurde sofort auf Richtigkeit überprüft und hielt dieser Prüfung offenbar nicht stand. Die Frau bat um Erklärung, die sie auch in meiner Meinung nach kompetenter Weise bekam, jeder einzelne Rechnungsposten wurde einem real existierenden Backwerk zugeordnet. Das reichte aber immer noch nicht, denn es wurden nun einzelne Beträge in Frage gestellt, die dann erneut dem entsprechenden (und immer noch demselben) Backwerk zugeordnet wurden. Diesmal war ich leider der einzige Kunde im Laden, somit wurde sie nur von einem einzigen Augenpaar fassungslos angestarrt. Ich glaube nicht, dass sie das sonderlich gerührt hat, immerhin konnte sie sich ja an meiner Lebenszeit laben, aber glücklicherweise war sie dann doch irgendwann glücklich und verließ den Laden.
Und ich wird nun zwar hoffentlich nicht früher sterben, aber mir wurde Zeit gestohlen, die ich nicht in das Schreiben mehrerer Bestseller investieren.
Also beschwert euch bei den Lebenszeitdementoren, wenn ihr irgendwann Werke von mir traurig vermissen werdet! 😀

2 Kommentare zu „Lebenszeitdementoren im Alltag

  1. Oh, ja – wir alle kennen sie diese Lebenszeitdementoren. Und was soll ich sagen, „Zwei Doofe, – ein fast ähnlicher Gedanke“ kam mir heute und ich brachte ihn zu Blog. Etwas andere Thematik, aber ich glaube das Übel, welches solchen Begebenheiten zu Grunde liegt, ist im Prinzip das Gleiche. Obwohl man für Renter noch eine weitere Sparte: „Das bischen Zeit, was mir noch bleibt, mach ich dir zur Hölle.“ , einführen müsste. 😉

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