Eine Woche im Zeichen der 100

Schon die ganze Woche habe ich den Beitragszähler meines Blogs vor Augen, er zeigt die unheimliche Zahl „99“. Unheimlich deshalb, weil mein nächster Beitrag, also der, den ich gerade verfasse, der 100. sein wird, den ich veröffentliche. Und seit Tagen rede ich mir ein, dass dieser Text etwas ganz Besonderes sein muss, um der Zahl 1o0 gerecht zu werden, immerhin ist sie der erste Vertreter ihrer 899 weiteren dreistelligen Kollegen. Und meine Leser erwarten bestimmt einen spektakulären Text, um dieses Beitragsjubiläum zu würdigen. Vielleicht erwarten sie eine dreiteilige Fortsetzung der Harry Potter-Reihe? Oder eine 3457 Seiten umfassende Autobiographie meiner selbst (Gott bewahre!)? Oder aber einen würdigen Nachfolger des „Erlkönig“? Ok, das ist vielleicht etwas abwegig…

Aber ihr seht, ich habe mir Gedanken gemacht. Und mir wurde klar, dass ich meinem Anspruch niemals gerecht werden kann, wenn ich zwanghaft versuche, etwas bahnbrechend Gutes zu verfassen, das Menschen geradezu frohlocken und jauchzen lässt.
Deshalb besinne ich mich einfach wieder auf das, was ich am besten kann: Von meinem zuweilen seltsamen Alltag berichten.

Mein Büro befindet sich im vierten Stock. Und ja, meistens benutze ich sowohl auf- als auch abwärts die Treppen, unser sportvernarrte Astrologe hätte daran wahrscheinlich seine helle Freude. Jedenfalls entschied ich mich zum Feierabend spontan, den Aufzug Richtung Tiefgarage zu nutzen. Kostet ja dasselbe Geld. Und so betätigte ich den Knopf, der mir das Tor zum Vorhof der Hölle öffnete, einem vollen Aufzug. Nichtsdestotrotz schloss ich mich meinen bereits im Aufzug befindlichen Kollegen an, mutig wie ich bin. Zu allem Überfluss hielt der Aufzug auch in der dritten Etage und die nicht gerade übermäßig große Kabine war nun einer Legebatterie nicht unähnlich. In dieser gezwungenermaßen kuschligen Atmosphäre kam mir der Gedanke, dass es nur eine kurze Fahrt ins Untergeschoss war und keine halbstündige Reise mit einer U-Bahn durch die halbe Stadt, was mich durchaus erleichterte. Dann erreichten wir die zweite Etage und eine junge Frau stand erschrocken vor der geöffneten Tür. Wider besseren Wissens quetschte sie sich dazu, drückte auf den Knopf, der einen Zwischenstopp in der ersten Etage veranlasste, schaute sich dann kurz um und verließ mit dem Kommentar „Eigentlich kann ich auch laufen“ diesen wunderbaren Ort, was zur Folge hatte, das unsere Abenteuerreise noch durch einen weiteren unnötigen Halt verlängert wurde. Und ja, ich hätte mich aufregen können, stattdessen kapitulierte ich einfach vor diesem Akt der vollkommenen Ignoranz. Und reg‘ mich dafür einfach jetzt darüber auf… 😀

Dieser Tag wurde aber mehr als deutlich durch den Umstand aufgewertet, dass ich den Nachmittag mit zwei Freunden verbrachte. Wir gingen zu McDo…. einem bekannten Fast-Food-Restaurant (Nein, ich werde leider nicht dafür bezahlt, also gibt es auch keine Werbung!), ich trug meinem Status eines Erwachsenen Rechnung… und bestellte ein Happy Meal. Die Mitarbeiter dieser Kette sind aber derart professionell abgestumpft, dass sie so etwas gar nicht irritiert. Routiniert spulte die Kassiererin ihr Programm ab, bis sie zum Schluss die Frage stellte: „Fruchtquatsch oder Apfelpommes?“ Was zum Teufel, ich bin ein Kind der 90er, damals bekam man einfach einen Chesseburger, Pommes, eine Cola und ein mit Weichmachern behandeltes Plastikspielzeug. Und ja, ich war damals glücklich. Jeder wusste, es war ungesund und aus diesem Grund stellte ein Happy Meal auch kein Grundnahrungsmittel dar. Aber nein, heute muss diesem Essen ja noch unbedingt ein „gesunder“ Anstrich verpasst werden. Als würde man eine Rose in den Lauf eines G36 Sturmgewehrs stecken.
Ich entschied mich übrigens für Apfelpommes. Schmeckten unspektakulär, es schien sich aber immerhin um echte Äpfel zu handeln.

Eines Morgens erzählte mir eine Freundin, sie hätte an diesem Tag ein „Löwengefühl“. Sie war sehr überrascht, dass mir dieser Begriff vollkommen unbekannt war. Bei einem Löwengefühl handelt es sich laut ihrer Aussage um ein wachsames bis misstrauisches Gefühl der leichten generellen Anspannung. Ich freue mich ja immer, von neuen Begrifflichkeiten zu hören, dementsprechend fasziniert war ich auch in diesem Fall.
Falls jemandem von euch der Begriff mit dieser Bedeutung geläufig ist, lasst es mich wissen!

Als ich dann gegen Ende der Woche wieder das Fitnessstudio meines Vertrauens besuchte, suchte mich in der Umkleidekabine erneut das Bedürfnis einiger Mitmenschen heim, sich musikalisch entfalten zu müssen. Ich glaube zumindest, dass diese Klänge, welche aus dem Lautsprecher eines Smartphones zu meinen Ohren vordrangen, entfernt an Musik erinnern sollten, viel mehr hatte jedoch ich das Bild eines drogenabhängigen Psychopathen vor meinem inneren Auge, der mit einer sechsfingrigen Hand einen Synthesizer bedient. Und dementsprechend unerfreulich war das Ergebnis.

Ihr seht, diese Woche war wieder recht unterhaltsam und bot meiner Meinung nach auch Erlebnisse, die eines 100. Beitrags würdig sind.

An dieser Stelle will ich euch, also den Leuten, die mein Geschreibsel tatsächlich lesen, danken. Ich hoffe natürlich, dass den Leuten gefällt, womit ich hier Speicherplatz in Anspruch nehme. Aber in erster Linie schreibe ich aus dem einfachen Grund, dass es mir unheimlichen Spaß macht. Und wenn ich dann noch auf Anerkennung dafür stoße, geht mir tatsächlich das Herz auf. Also danke für eure Aufmerksamkeit und Kommentare, ich weiß jeden einzelnen sehr zu schätzen.

 

 

 

 

 

9 Kommentare zu „Eine Woche im Zeichen der 100

  1. Und ich danke dir für 100 Geschichten und Kommentare, die mich zum Lachen, zum Weinen (vor allem zum Weinen, so wie heute die Aufzug-Trulla) und zum Nachdenken angeregt haben. Die ersten 100 sind die schwierigsten, wie man so schön sagt. 😉

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  2. Dein Blog ist toll, bin jeden Tag hier, in der Hoffnung, einen neuen Beitrag vorzufinden.

    Eine Anmerkung habe ich noch, ich hoffe, es ist okay für dich: Vielleicht spinnt mein Hirn ja gerade total, aber ich denke, es gibt keine 999 dreistelligen Zahlen, bei mir sind es 899 dreistellige Zahlen. Hm.

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    1. Vielen Dank für dein Lob, das freut mich sehr. 🙂 Auch wenn ich deinen Wunsch leider nicht tagtäglich erfüllen kann, aber ich gebe mein Bestes.

      Oh Gott, du hast recht, es sind insgesammt 900, nämlich 999 abzüglich der 99 zweistwlligen Zahlen. Also muss es 100 und 899 weitere heißen.
      Das zeigt mal wieder, warum ich das mit den Zahlen einfach lassen konnte, das wird nichts mehr. :’D

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  3. Ich gratuliere zum Hundertsten!

    Auch wenn ich letztlich mit Kommentaren etwas zurückhaltend war, hat das aber eher etwas mit ungünstigen Verschiebungen der Zeitachse in meinem unmittelbaren Universum zu tun, als mit Desinteresse. Ich hoffe ein stummes Nicken oder Schmunzeln reicht dir auch hin und wieder. 😉
    Also dann weitergemacht!

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    1. Interessant! 😀 Noch jemand, der das kennt.
      Ich freue mich, dass ich dich hiermit unterhalten konnte. :3
      Haha, das war leider nicht mein Privatzug, eine solche Berühmtheit bin ich (noch) nicht. :’D Witzigerweise fand der theoretische Teil meiner Ausbildung tatsächlich in Hilden statt. Konnte ich mir auch einige humoristischen Höchstleistungen zu anhören. 😀

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