Ein Tag auf der Galopprennbahn

Heute hatte ich das Vergnügen, einen Galopprenntag live in Düsseldorf verfolgen zu können. Wir hatten Tickets bei einem Gewinnspiel gewonnen und so wurde ich ebenfalls eingespannt.
Schon bei der Anreise bemerkte ich einige Vertreter der „Upper Class“ und war ganz froh, zumindest dementsprechend gekleidet zu sein, auch wenn die Größe meines Girokontos wahrscheinlich mitleidige Blicke ausgelöst hätte und ich neugierige Fragen beantworten hätte müssen, wie ich denn die restlichen 29 Tage des Monats überlebe.
Aber sei es drum, ich fiel zumindest nicht auf. Mir jedoch fielen einige besondere Vertreter dieser Gesellschaftsschicht auf. Vor dem Event ließ man es sich selbstverständlich nicht nehmen, ein Gruppenselfie anzufertigen, wobei man schon arge Probleme hatte, mit dem Smartphone am ausgestreckten Arm, dem unter der Last der vielen Ringe und Ketten bereits eine Fraktur drohte, alle Beteiligten aufs Bild zu bekommen. Ein freundlicher älterer Herr fragte, ob er aushelfen könne, schien aber nach argwöhnischer Prüfung nicht vertrauenswürdig genug zu sein, das roségoldene iPhone berühren zu dürften.
Jedenfalls entstand dann doch noch ein Foto, das aber unter von Ekel erfülltem Gelächter gelöscht wurde. Ich weiß nicht, ob das Foto einfach misslungen war oder diese Reaktion durch das Betrachten des eigenen Antlitz ausgelöst wurde…

Kaum hatten wir das Gelände der Galopprennbahn betreten, erklang die erste Durchsage über die heutigen Wettquoten. Das sollte sich auch durch den gesamten Tag ziehen. Es wurde nur leicht der Eindruck erweckt, dass eine Wettabgabe sehr erwünscht war, was auch großen Anklang fand.
Zum Gewinn gehörte auch ein gefüllter Picknickkorb, was große Freude bei mir auslöste, ich würde den Tag also voraussichtlich ohne körperliche Mangelerscheinungen überleben.
Während dieser ersten Stunden, in denen kein Rennen stattfand, erschienen mir alle Menschen sehr entspannt, wenn auch vereinzelt seltsam. Aber man schien in sich zu ruhen und sich von einigen galoppierenden Pferden ein wenig unterhalten lassen zu wollen. Dementsprechend schockiert war ich, als das erste Rennen begann. Menschen sprangen herum, schrien, jubelten. Ein Mann rannte die gesamte Bahn entlang und brüllte wilde Anfeuerungen. Ich glaube, so mancher hatte sein halbes Vermögen gesetzt, zumindest die Reaktionen sprachen dafür. Zumindest hatte niemand Schaum vor dem Mund, das beruhigte mich ungemein.
So plötzlich dieser Zustand der allgemeinen Aufregung entstand, so schnell war er aber auch wieder vorbei. Nach dem Rennen setzen wieder entspannte Unterhaltungen ein, als wäre gar nichts Ungewöhnliches passiert. Ich glaube, einige Sekunden blickte ich mich auch sehr ungläubig um. Dieser Wechsel von vollkommener Hysterie und gelöster Atmosphäre wiederholte sich in der Folge auch bei jedem Rennen. Die Buchmacher hatten gewiss ein Lächeln im Gesicht…

Die Zeit zu unserer Abreise war irgendwann gekommen und so machten wir uns auf in Richtung Bahnhaltestelle. Dort erlebte ich einen wahrscheinlich beginnenden Streit in einer Straßenbahn. „Könnten Sie sich bitte woanders hinsetzen?“, erklang eine genervte Stimme. Leider fuhr diese Bahn in eine vollkommen andere Richtung, sodass ich nicht einstieg, obwohl ich sehr versucht war, dem weiteren Ablauf dieses Gesprächs zu lauschen. 😀

Mein Fazit als Laie des Pferdesports fällt sehr positiv aus. Die Rennen sind nicht unbedingt spektakulär, aber beeindruckend anzuschauen. Und wenn man Pferde sowieso mag, kann man sich das durchaus anschauen.
Außerdem gelingen dabei mehr als interessante Sozialstudien der Gesellschaft und dafür bin ich immer zu haben. 😀

 

 

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