Die Kunst und der Geldbeutel

Für diesen Beitrag werde ich wahrscheinlich als Kunstbanause abgestempelt. Interessiert mich diese Einschätzung mehr als die freundliche Blaumeise, die gerade vor dem Fenster sitzt? Es ist übrigens eine sehr schöne Blaumeise. Sie sitzt dort, der Wind spielt leicht mit ihrem Gefieder, sie sieht überaus zufrieden aus…
Nein, offenbar tut sie das nicht.

Zu dieser Einschätzung komme ich, weil ich mir interessehalber die Liste der teuersten Gemälde angesehen habe. Darunter waren nach meiner laienhaften Einschätzung einige handwerklich sehr ansprechende Bilder. Ob sie mir gefallen, ist ja nebensächlich, aber ich erkenne die Leistung dahinter voll und ganz an. Dann gibt es aber auch andere Gemälde in dieser Liste, von denen ich mal fünf beispielhaft aufliste:

No. 5 1948 von Jackson Pollock

No. 10 von Mark Rothko

No. 1 (Royal Red and Blue) von Mark Rothko

White Center (Yellow, Pink and Lavender on Rose, 1950)

Onement VI von Barnett Newman

Wir sehen, Jackson Pollock hat offenbar einen Wutanfall oder Adrenalinschub für seine Kreativität genutzt, Mark Rothko mag verschiedenfarbige Quader und Barnett Newman mag die Farbe Blau (was ihn in meinen Augen sogar sehr sympathisch macht!). Diese fünf Gemälde haben laut Wikipedia.de für 413,6 Millionen Dollar ihren Besitzer gewechselt. Ich erspare euch an dieser Stelle die Aufschlüsselung dieses Wertes in die Anzahl der Airbus A-380, die man dafür kaufen könnte. Wir sind hier ja nicht bei Galileo.

An sich ist dieser Irrsinn meiner Meinung nach für jede Art von Bildern vollkommener Irrsinn. Jeder soll sein Geld dafür ausgeben, wonach es ihm gelüstet. Was ich bei diesen Gemälden nicht verstehe, warum? Welche Art von Leistung soll diese Unsumme rechtfertigen? Ok, bei Onement VI könnte man jetzt anführen, dass man es immerhin auch um 90° in jede beliebige Richtung drehen kann und quasi ein komplett neues Bild erhält, das immer noch einen Sinn ergibt nicht ganz falsch aussieht.

Ich habe mal eine fünf in Kunst bekommen. Wir hatten in einem Halbjahr das Thema „Drogen“. Nach unzähligen Vorschlägen, die von meiner Kunstlehrerin abgeschmettert wurden, malte ich ein DIN-A3 Blatt komplett grau an und nannte es „Drogen vernebeln die Sinne“. Das Ergebnis ist bekannt. Die drei oben aufgeführten Künstler hätten für ihr Schaffen wahrscheinlich keine bessere Note erhalten. Der Unterschied zu mir ist jedoch, ihre Arbeit wurde mittlerweile mit beachtlichen Millionenbeträgen gewürdigt.

In meinen Augen stellt Kunst ein Zusammenspiel von Kreativität und Geschicklichkeit da. Beides kann ich in den genannten Werken nicht erkennen. Es sind entweder zufällige Farbspritzer oder simple Anordnungen von Farben, die einfach langweilig und inspirationslos wirken. Um einen Vergleich zur Schriftstellerei anzuführen: Ein Bild von Jackson Pollock wäre ein Buch, dessen Seiten mit wilden Buchstabenansammlungen gefüllt wären, die keinerlei Sinn ergäben.
Ein Gemälde von Rothko oder Newman ließe sich mit einem Buch vergleichen, das ausschließlich aus kurzen Hauptsätzen bestünde, die eine Geschichte erzählen würden, welche keinerlei Pointen oder Wendungen enthielte.
Würde man solche Bücher lesen wollen? Nein… Hoffentlich nicht… Bitte nicht!

Vielleicht sollte ich mich auch der Malerei zuwenden. Solche Bilder sollten auch mit meinen sehr grobmotorischen Fähigkeiten möglich werden. Und dann wird auch mein Name irgendwann auf dieser Liste zu sehen sein!
Zugegebenermaßen, die genannten Künstler haben nichts mehr von dem Erfolg ihrer Werke, da der Tod sie bereits ereilt hat. Vielleicht ist das auch Teil ihres Erfolges. Was wiederum nicht für ihre Kunst spräche…

 

 

 

 

 

16 Kommentare zu „Die Kunst und der Geldbeutel

  1. Hi!
    Mal wieder kann ich dir einfach nur komplett zustimmen!
    Interessanterweise habe ich aber mal einen Kunstwettbewerb gewonnen, an dem ich gar nicht teilgenommen hätte, hätte die Schule uns Schülern die Wahl gelassen. Was an diesem „Kunstwerk“ von mir anders oder besser war, als an den Anderen in dieser – peinlicherweise – öffentlichen Ausstellung, und warum ich damit den ersten Platz bekam, erschließt sich mir bis heute nicht. Ich hatte weder Lust auf Malen, noch habe ich mir Mühe gegeben oder mir irgendwas dabei gedacht, als ich malen musste. Nun ja…
    Grüße!
    Sascha

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  2. 😀 😀
    Unbekümmert, hm… Eigentlich war ich eher aggressiv und angepisst über diesen unsinnigen Kunstunterricht und darüber, an diesem Wettbewerb teilnehmen zu MÜSSEN. Aber hat dem Bild offenbar nicht geschadet! 😀

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  3. Ich mag ja abstrakte Bilder. Ich erkenne aber an, dass hier nicht viel handwerkliches Können dahinter steckt.

    Ansonsten fühle ich mich an eine Geschichte erinnert, die der Bruder einer Freundin mal im Kunstunterricht erlebte. Der Lehrer hatte die Aufgabe „Schöne Menschen am Strand“ gestellt und er malt quasi die Landung der Alliierten in der Normandie…

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    1. Genial! 😀 Das nenne ich mal eine überragende Interpretation der Aufgabenstellung. Ich hätte eine eins gegeben, wenn ich Lehrer wäre. Die Menschen haben sich aber auch wirklich schön für den Strandbesuch herausgeputzt!

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      1. Das glaub ich dir sofort! Ich hatte zwar einige kompetente Lehrer, war aber trotzdem froh, als ich endlich fertig war. Zwar habe ich meiner Deutschlehrerin wahrscheinlich zu verdanken, dass ich hier schreibe oder mich überhaupt auf diese Weise betätige, aber dennoch kann ich guten Gewissens sagen, dass ich nicht mehr zur Schule gehen würde, wenn ich könnte. 😀

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