Das Glück des Eigenheims

Ein Großteil unserer Gesellschaft träumt davon, ein eigenes Haus zu besitzen. Die Vorteile liegen ja auf der Hand: Keine Miete, keine horrenden Nebenkosten, man darf in seinen eigenen vier Wänden tun, was man will und endlich elf Hunde, drölf Katzen, 47 Meerschweinchen und eine Boa constrictor besitzen, ohne dass sich jemand über Dreck oder Lärm beschweren könnte oder auf irgendwelche irrelevanten Klauseln im Mietvertrag verweist. Gut, die Zahl der Meerschweinchen könnte sich in dieser Konstellation innerhalb kurzer Zeit drastisch verringern, aber mein Punkt sollte jedem klar sein.
Nun gibt es  einige Fernsehsendungen, die Familien begleiten, welche sich diesen Traum erfüllen wollen (also den des Eigenheims, nicht zwingend den der riesigen Würgeschlange) und während man sich sowas gelangweilt anschaut, stellt man erschrocken fest, dass der bloße Gedanke des eigenen Hauses alle anderen nicht unerheblichen Gedanken, die man sich vor der Anschaffung machen sollte, einfach verdrängt. So ein Haus ist natürlich auch recht groß, da bleibt in unseren grauen Zellen nicht viel Platz für andere Dinge, was die mangelnde Kompetenz so mancher beteiligter Familien durchaus erklärt.

Zuerst muss man natürlich wissen, was man sucht. Das ist in den meisten Fällen relativ schnell erklärt. Es soll groß sein! Ich weiß gar nicht, warum so viele Leute ein riesiges Haus haben wollen (mal abgesehen von dem unwahrscheinlichen Fall, dass man elf Hunde, drölf Katzen, 47 Meerschweinchen und eine Boa constrictor halten will). Denn, man glaubt es kaum, dieses große Anwesen muss auch regelmäßig gereinigt werden. Und nein, wenn man zum elitären Kreis der Hausbesitzer gehört, bekommt man keine Putzkraft gratis dazu. Auch nicht als Aktionsangebot.
Vielleicht fühlen sich diese Menschen in großen Hallen auch deshalb so wohl, weil sich der Hall ihrer Stimme an solchen Orten anhört, wie das Echo der Gedanken im Inneren ihres Schädels. Eine erstaunliche Analogie!

Bei der Lage des Eigenheims wird es schon komplizierter. Es soll oft ruhig und ländlich liegen, aber trotzdem fußläufig zum Stadtzentrum. Ok, kein Problem. Wie wir alle wissen, bekommt man die Fähigkeit, Wurmlöcher zu öffnen, wenn man ein Haus kauft, insofern ist auch dieser Wunsch keine Utopie.
Zudem sollte die Umgebung kindgerecht sein und eine möglichst niedrige Kriminalitätsrate haben. Denn es macht nur unnötige Scherereien, wenn dauernd Backsteine und Molotowcocktails durchs Fenster fliegen. Gut, ein wenig Spannung und Adrenalin hat noch niemandem geschadet, könnte man meinen, aber der normale Kleinstädter neigt bereits bei einer langen Schlange an der Supermarktkasse zur Hyperventilation, dementsprechend sollte man es also nicht übertreiben.

Wenn eine erste Vorauswahl getroffen wurde, folgen einige unspektakuläre Besichtigungstermine mit gestriegelten Maklern, deren Zähne so oft gebleicht worde, dass deren Anblick den gleichen Effekt wie eine Blendgranate hat. Diese Makler sind wirklich geschickt darin, auch den erbärmlichsten Schuppen als erhabenes Landhaus zu lobpreisen. Diese Menschen würden auch einen Pappkarton mit der Argumentation bewerben, dass man nicht so viel unnötigen Raum hätte, der bewirtschaftet werden müsste.
Wurde auch diese Hürde bewältigt, geht’s an Eingemachte: Die Preisverhandlung. Und an dieser Stelle kann man sich wirklich nur die Hand gegen Stirn schlagen ob so viel Naivität. Denn nachdem man jahrelang knappe 1300 Euro Miete im Monat gerade so berappen konnte ist der Kauf eines Eigenheimes dementsprechend um ein Vielfaches teuer. „Was haben Sie sich denn preislich vorgestellt?“ „Ich hab hier fünf sehr schöne Knöpfe“… Ok, alles klar, dafür bekommt man jedenfalls nicht das Schloss von Versailles. Alternativ kann man sich auch jeden Morgen um 08.00 auf den Balkon stellen und ein Lied für die Nachbarschaft anstimmen. Sollte als Bezahlung auch vollkommen ausreichen. Was dann folgt, ist der unvermeidliche Bittgang zur Hausbank. Und hier folgt der nächste Tiefschlag: Wenn man einen Kredit aufnimmt, muss man diesen auch tatsächlich in Raten zurückzahlen (Nein, schöne Knöpfe zählen nicht!). Aber da man ja keine Miete mehr zahlt, ist das natürlich gar kein Problem. Eigenkapital? Das ist was für versnobte Weicheier!
Und so wird der Kredit bewilligt, während der Banker lächelnd den Gerichtsvollzieher informiert, dass bald der Kuckuck benötigt wird.

Aber zunächst überwiegt natürlich die Freude über den Erwerb des eigenen Hauses und eine Einweihungsfeier steht an. Das Bier fließt in rauen Mengen, der Familienvater beweist seine zweifelhaften DJ-Fähigkeiten und die Boa constrictor wird doch etwas anhänglich…
Mit der Zeit kehrt hier auch der Alltag ein und es wird plötzlich klar, dass man als Hausbesitzer so eine blöde Pflichten hat. Wie, es gibt keinen Vermieter, der für die Instandsetzung sorgt? Wo gibt es denn sowas? Und dann kostet das auch noch Geld! Ja, so lernen manche Leute dann auf die harte Tour, dass der Erwerb einer Immobilie kein All-inclusive-Paket ist, sondern auch einiges an Arbeit oder zumindest finanzielle Zuwendung benötigt.

Und so kommt es, wie es kommen muss: Die laufenden Kosten wachsen allen Beteiligten über den Kopf, der Gerichtsvollzieher eilt schon mit seinen Pfandsiegeln heran und so man hat zwei Möglichkeiten: Eine Hypothek oder die Kapitulation vor dem Eigentum. Eine Hypothek bedeutet: Schulden. Also quasi ein Kredit, um die laufenden Kosten und den bestehenden Kredit decken zu können. Ich weiß nicht, klingt irgendwie nicht nach einer Lösung.

Also wird nach hartem Kampf und vielen Tränen beschlossen, den Traum von den eigenen vier Wänden aufzugeben. In Deutschland ist aber auch alles so kompliziert! Und so kommt wieder der vertrauenswürdige Makler ins Spiel, der auch schon zufällig Interessenten gefunden hat:

„Was haben Sie sich denn preislich vorgestellt?“

„Ich hab da zwölf Knöpfe!“…

6 Kommentare zu „Das Glück des Eigenheims

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