Schreiben gegen Rechts!

AnnaSchmidt rief zu einer Blogparade mit dem Namen „Schreiben gegen Rechts!“ auf. Und normalerweise wäre dies spurlos an mir vorbeigezogen. Eigentlich schreibe ich hier nicht über Politik. Ich will euch unterhalten und keine politischen Diskussionen führen.Aber die aktuelle Situation erfordert es, dass jeder seiner Stimme erhebt, damit rechte Parteien und Gruppierungen (die hier ausdrücklich nicht genannt werden, denn jeder weiß, von wem ich rede. Ich will diesem Namen weder eine Plattform schaffen, noch will ich irgendeinen Winkeladvokaten auf den Plan rufen) keine Chance in diesem Land haben. Und ja, dieser Beitrag ist zur Abwechslung wirklich zu 100% ernstgemeint.

Ja, ich bin besorgt. Besorgt, wenn ich in den Nachrichten höre, wie Menschen Flüchtlingen in Bussen terrorisieren und Unterkünfte anzünden. Besorgt, wenn ich daran denke, wie man in 70 Jahren auf diese Zeit zurückblicken wird.
Man hört in den letzten Monaten oft das Wort Angst. Menschen haben Angst, ihre „deutsche Kultur“ würde verloren gehen. Sie haben Angst vor einer angeblich steigenden Kriminalität durch Flüchtlinge. Und in dieser Angst wenden sie sich Parteien zu, die ihre Angst scheinbar teilen, erhören und bekämpfen wollen. Doch Angst sollte nie eine Grundlage für Politik sein. Diese Parteien nutzen die Angst eines großen Teils der Bevölkerung, um ihre rechte Politik salonfähig zu machen. Da sollen Grenzen geschlossen werden, in letzter Konsequenz auf Flüchtlinge geschossen werden, in Schulen soll wieder „Disziplin und Autorität“ herrschen. Ich bin glücklicherweise nicht der Einzige, den das an eine vergangene dunkle Periode der deutschen Geschichte erinnert.

Man kann nicht leugnen, dass die aktuelle Bundesregierung Fehler gemacht hat. Darum soll es aber auch nicht gehen. Klar ist, dass rechte Parteien auch keine Lösung bieten. Es wäre eine humanitäre Kapitulation, Grenzen vollkommen zu schließen. Was würde passieren? Menschen stranden in wirtschaftlich deutlich schwächeren Ländern, die schnell vollkommen überfordert wären und kollabieren würden. Nein, es ist unsere Pflicht, hilfsbedürftigen Menschen zu helfen. Dies muss in geordneter Weise geschehen, aber dass geholfen werden muss, daran darf zu keiner Zeit ein Zweifel bestehen. Und muss klar sein, was wir für einen unglaublichen Wohlstand in diesem Land und in großen Teilen der EU erreicht haben. Und dieser Wohlstand wird nicht bedroht, es gibt niemanden, der uns etwas „wegnehmen“ will. Aber es gibt Menschen, die ihre Existenz verloren haben und nun um ihr Überleben kämpfen. Dass es ebenso Leute gibt, die diese Situation ausnutzen und sich daran bereichern wollen, ist leider unvermeidbar. Doch machen einen Bruchteil der wirklich Hilfsbedürftigen aus.

Es macht mich betroffen, wenn ich verfolge, mit was für einer Unmenschlichkeit und mit welchem Hass gegen Flüchtlinge vorgegangen wird, sowohl verbal als auch physisch. Da werden Flüchtlingsheime angezündet (ehrlich, Leute? Denkt ihr auch nur eine Sekunde nach, bevor ihr sowas macht? Ihr nehmt in Kauf, Leute umzubringen, weil euch die Asylpolitik nicht gefällt? Mal ganz abgesehen davon, dass man damit die Steuergelder ebenso verbrennt, deren Verschwendung man im Zusammenhang mit Flüchtlingen anklagt) und irgendwelche wahnwitzigen Märchen von Einzelnen verbreitet, die dann tatsächlich noch für wahr gehalten werden. Wie kann man man bitte glauben, dass Flüchtlinge Kinder töten und essen? Das ist eine neue Ebene des Hasses, die ich ehrlich gesagt in diesem Land nicht mehr für möglich gehalten hätte. Und es macht mich wirklich fassungslos, dass eine gewisse Partei in den kommenden Landtagswahlen in Umfragen bei einem Ergebnis deutlich über der zehn Prozent-Marke steht. Das darf nicht so weitergehen. Mal davon abgesehen, dass niemand mit dieser Partei koalieren kann und würde, ist das erschreckend.
Die Situation gegenüber der Machtergreifung durch Hitler ist heute eine ganz andere. Das Land lag wirtschaftlich am Boden, die Menschen waren verzweifelt. Aber auch damals waren sie in Angst und Hass vereint. Erst wenige, später ein Großteil der Bevölkerung.

Aber es gibt natürlich Hoffnung und positive Lichtblicke. Menschen, die für Flüchtlinge spenden, damit diese zu essen und Kleidung haben. Spielzeug für Kinder wird verschenkt und diese Kinder können wieder lächeln. Menschen schlagen sich Nächte um die Ohren, um bei der Organisation der Unterbringung zu helfen, tausende helfen, den enormen Berg an Arbeit zu bewältigen. Ja, die Politik muss ihren Teil leisten. Aber es gibt genug Menschen, die helfen wollen.

Und wenn fehlgeleitete Leute durch die Straßen ziehen, Flüchtlinge anpöbeln und „Wir sind das Volk“ rufen, möchte man zurückrufen „Das seid ihr nicht!“ Von Hass und unbegründeter Angst geleitete Menschen können nicht die Meinung des Volkes zum Ausdruck bringen.
Demagogen sind keine Anführer. Sie wollen ihre von Hass geprägte, menschenfeindliche Politik durchsetzen. Sie wollen keine Lösung, die für alle gut sind. Sie wollen ihre Feindbilder verschwinden sehen, um ihre blinde Angst zu bewältigen.

Aber Angst macht keine konstruktive Politik. Nur Vernunft kann das. Und dafür müssen wir jeden Tag einstehen.

17 Kommentare zu „Schreiben gegen Rechts!

  1. Dank Dir. Wirklich ein klares und gutes Statement.
    Ich finde besonders erschrecken, wie polarisiert meine Facebook Bekannten sind. Ich hatte schon immer viele konservative Christen vs. konservative Moslems gegenüber stehen (in der Regel wollen mich die Christen übrigens weitaus mehr missionieren als die Moslems – Zur Abschreckung bin ich dann der Gruppe der Kirche des FSM beigetreten).
    Jetzt sind da noch einige Wenige Bekannte die mit der Partei liebäugeln, die Du nicht nennen willst. Ich versuche zu verstehen, warum sie es machen, aber es erschließt sich nicht ganz.
    Ich teile meine Beiträge hier auch auch Facebook und es ist mir egal, ob ein paar „Freunde“ jetzt abspringen. Es gibt Sachen, die gesagt werden müssen.
    Dank Dir.

    Gefällt 1 Person

    1. Ich erschrecke auch teilweise, wenn ich Facebook öffne. Im Bekanntenkreis ist das nicht so extrem, aber außerhalb bricht einfach jede Hemmschwelle, was Hasskommentare angeht.
      Ich hab auch einige in meinem Facebookfeed, die gerne mal Petitionen gegen Merkel oder irgendwelche pseudopatriotischen Bilder posten. Einfach nur traurig.
      Danke dir für dein Lob! 🙂

      Gefällt 1 Person

      1. Gegen Merkel zu sein ist ja keine Sünde. Das schaffen ja schon Leute der eigenen Partei. Allerdings halte ich die Dame für ziemlich abgebrüht und gerissen. Eigentlich positive Eigenschaften, wenn man auf House of Cards steht. 😉

        Gefällt 1 Person

      2. Der Vergleich kam mir auch schon in den Sinn. Ich warte ja schon immer drauf, dass sie sich nach Interviews oder Ansprachen zur Kamera geht und direkt zum Zuschauer spricht.
        Oh, diese Serie ist auch einfach genial. 😀

        Gefällt 1 Person

      3. Vordergründig zu behaupten: „Wir schaffen das!“, um den Linken die Wähler zu klauen, im Hintergrund allerdings stark dafür einzutreten, dass keine Flüchtlinge mehr kommen (Gespräche mit der Türkei), über Seehofer die Rechten zu bedienen und insgesamt nur warten zu müssen, bis die Wahlen vorbei sind – warum kommt da kein SPD-Politiker drauf???
        Die Frau ist verdammt schlau.

        Gefällt 1 Person

      4. Das muss man ihr wirklich lassen. Sie wird in der öffentlichen Wahrnehmung oft noch sehr unterschätzt, was ihr auch in die Karten spielen. Sie weiß schon genau, was sie da tut und agiert sicher nicht „planlos“.

        Gefällt 1 Person

  2. Angst ist kein guter Ratgeber. Angst muss überwunden werden oder in rationale Furcht verwandelt werden. Aber diese Lösung verweigern Politiker, die mit Angst spielen. Danke für den Beitrag. Und ich muss wohl mal in mich gehen … Vielleicht finde ich was, das sich beizutragen lohnt. (Weil mir zu dem Thema nur Polemik einfällt).

    Gefällt 1 Person

    1. Angst kann auch Lebensretter sein. Leute ohne Angst sterben schneller – ich kann mir nicht vorstellen wie oft die letzten Worte waren: „ich spring – das ist gar nicht so tief“, „Der Pilz ist nicht giftig“ oder „Der Tiger will nur spielen“.
      Angst ist gesund, kann aber auch übertrieben werden. Das ist so wie bei Alkohol. Ab und zu macht es Spaß, zu oft ist es eine Krankheit. 😉
      Gruß SAC

      Gefällt 1 Person

      1. Ja, die Einschränkung gilt. Aber Situationen, in denen man einen Rat braucht, erlauben es, über das eigene Bauchgefühl hinweg zu geben. Wir haben es in den seltensten Fällen noch mit akut existentiellen Gefahren zu tun, behaupte ich mal ganz frech.

        Gefällt 1 Person

      2. Das stimmt absolut. In solchen Situationen ist Angst lebensnotwendig, genauso wie Schmerz. Ohne diese beiden Gefühle gäbe es uns wohl nicht mehr.
        Nur bei rationalen Entscheidungen ist Angst kein guter Ratgeber. Vor allem nicht in so einer übertriebenen, unbegründeten Form.

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s