How to: Produktrezension schreiben

Wahrscheinlich hat jeder von euch schon einmal etwas in einem der einschlägigen Onlineshops bestellt. Und um zukünftige Käufer erstandener Kostbarkeiten darauf vorzubereiten, was sie beim Kauf erwartet oder auch, um sie zu warnen, dass ein Produkt ihre Lebensqualität drastisch herabsenken kann, gibt es die Möglichkeit, Rezensionen zu schreiben. Und mit letzterer Möglichkeit wollen wir uns heute beschäftigen. Um seine Mitmenschen erfolgreich davon zu überzeugen, etwas nicht zu kaufen, gibt es ein paar Regeln, die man beachten sollte und die will ich hier darlegen:

  • Drama ist alles!
Zunächst sollte man beachten, dass man einen dramatischen Schreibstil an den Tag legt. Die Mängel, die aufgetreten sind, müssen deutlichst beschrieben werden. Stellt es euch so vor, dass ihr eine literarische Leuchtreklame schafft, welche die Aufmerksamkeit des Lesers ausschließlich auf die negativen Aspekte des zu beschreibenden Produktes zieht. Dabei sollten positive Erfahrungen auf höchstens drei Wörter beschränkt werden, am besten verschachtelt in einem reißerischen Satz, der ansonsten katastrophale Umstände beschreibt.
  • „Schon beim Versand ging der Ärger los!“
Ein wichtiger Einstieg in die Rezension, um gleich eine angenehm negative Grundstimmung zu erzeugen, ist die Beschreibung eines chaotischen Versandweges. Diese Inkompetenz des Transportunternehmens ist zwar bei einer Produktrezension fehl am Platz, aber man will sich ja richtig schön in Rage schreiben und da ist jedes Mittel recht. Man berichtet also von einer endlosen Odyssee des Bestellten, bei der man im besten Fall unzählige Male unbekannte Nachbarn suchen musste, sich von unfreundlichen Bediensteten in einer Postfiliale herumschlagen musste, beschädigte Ware enthalten hat und zum Schluss war auch noch der Paketbote unfreundlich. Das lag auch in jedem Fall an der negativen Aura der zu überbringenden Ware und ist somit ein bedrohliches Omen. Schon an dieser Stelle hätte man den Kauf bereut und rate jedem davon ab. Dieser Satz sollte eh so oft wie möglich benutzt werden
  • Mängel schonungslos beschreiben
Dann ist es an der Zeit, wirklich tief in die Materie einzudringen. Es geht darum, ein durch und durch negatives Bild zu schaffen und das fängt schon bei der Verpackung an. Hier stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Die Verpackung könnte aus einem minderwertigen Material bestehen, was auch auf die Anmutung der Ware selbst schließen lässt. Oder aber, sie war derart grell und bunt gestaltet, dass die Augen schmerzten und man mit diesem Umstand von einem mangelhaften Produkt ablenken wollte. Mein Liebling ist aber „Die Verpackung war so weiß, dass sie das Sonnenlicht zu stark reflektierte und ich nun auf einem Auge blind bin“. Das ist der Knockout, bevor man überhaupt mit einer Analyse des Artikels begonnen hat, sollte aber nicht leichtsinnig verwendet werden. Im Zweifel wird man noch wegen Verleumdung angezeigt und ist dann gezwungen, sein Augenlicht tatsächlich zu schädigen, um seine beschrieben Erfahrung zu untermauern.
Das Prunkstück eurer Rezension sollte aber die schonungslose Beschreibung des Produktes selbst sein. Hier könnt ihr eure gesamten Fähigkeiten einbringen, um den Hersteller in Grund und Boden oder sogar in den Konkurs zu schreiben. Es sollte eine gewisse Grundaggressivität vorherrschen, aber gleichzeitig könnt ihr versuchen, bei den Lesern dieser Rezension Mitleid für eure missliche Lage zu erzeugen, dazu kommen wir aber noch.
Beispiel: Ihr habt ein Bügeleisen gekauft. Ein Bügeleisen glättet eure Kleidungsstücke mit einer Kombination aus Wärme, Druck und Wasserdampf. Und jedes dieser Merkmale müsst ihr nutzen, um ein vollkommen negatives Bild zu schaffen:
  • Das Bügeleisen war so schwer, dass man es nicht ohne größte Kraftanstrengung benutzen kann. Beim Versuch des Anhebens habt ihr euch einen komplizierten Bruch des Schultergelenks zugezogen.
  • Das Bügeleisen ist so heiß geworden, dass das Kleidungsstück während des Bügelvorgangs Feuer gefangen hat, was natürlich nichts mit eurem großzügigen Einsatz des Waschbenzins zu tun hat.
  • Der Wasserverbrauch war derart hoch, dass eure Nebenkostenrechnung in unermessliche Höhen gestiegen ist.

Und keine Sorge, hierbei kann man gar nicht übertreiben. Denn schließlich erfährt man in den Weiten des Internets nur die Wahrheit und niemand wird eure Kritik für überzogen haben.

  • Folgen des Kaufs
Um das Ganze abzurunden und auch den Letzten von euren Ansichten zu überzeugen, müsst ihr katastrophale Folgen für euer Leben schildern, die der Kauf ausgelöst hat. Um beim Beispiel des Bügeleisens zu bleiben. Dadurch, dass es unbrauchbar war, ihr aber einen wichtigen Geschäftstermin hatte und eure Kleidung entsprechend bügeln musstet, wart ihr dazu gezwungen, Steine zu erhitzen, welche eure Hände furchtbar verbrannt haben und dazu nicht die gewünschte glättende Wirkung auf eure Hemden hatten. Dadurch habt ihr ein bemitleidenswertes Bild beim Geschäftsessen mit den möglichen neuen Vertragspartnern abgegeben, wodurch der Vertrag nicht zustande kam, der überlebensnotwendig für euer Unternehmen war. Durch den nun folgenden Personabbau habt ihr euren Job verloren und dazu hat ein vom Bügeleisen ausgelöster Brand euer Eigenheim vollständig zerstört, eure Familie hat ihr Zuhause verloren und entschließt sich, euch zu verlassen. Und das alles durch ein qualitativ minderwertiges Bügeleisen. Und das ist der Wirkungstreffer, der wirklich jeden potentiellen Käufer abschreckt.
Wie ihr seht, ist es gar nicht schwer, eine kritische und trotzdem in hohem Maße sachliche Rezension zu schreiben. Ich hoffe, diese Richtlinien helfen auch euch in Zukunft weiter!

 

 

14 Kommentare zu „How to: Produktrezension schreiben

  1. Das muss ich bei Gelegenheit dringend ausprobieren … Andererseits … Sachlichkeit war noch nie meins. Ich glaube, ich nehme bei genügend Muße deine Anleitung, schreibe eine Produktrezension nach deinem Muster und übertreibe dann an allen passenden und unpassenden Stellen schonungslos. Armbruch? Pah. Unter Nukularkatastrophe (sic!) läuft da gar nix!

    Gefällt 2 Personen

  2. Ich war bisher zum Glück noch nie in der Situation, derart über ein Produkt herziehen zu müssen, da mich diese vielen sachlichen Rezensionen stets erfolgreich vom Kauf abhielten und schlimmeres verhinderten. Aber vielleicht kaufe ich mir ja ein Helene Fischer Album, damit ich deine Anleitung auch mal ausprobieren kann 😀

    Gefällt 2 Personen

  3. Du hast die Erläuterung der Bedeutung von Grammatik, Vokabular und Interpunktion vergessen. Grammatik = wird entweder überbewertet oder Rezensent verhaspelt sich so in seinem (siehe dazu „Vokabular“) akademisch wissenschaftlichen Geschwurbel, dass er nicht mehr weiß, wie er seine Sätze begonnen hat.
    Vokabular = darf entweder akademisch wissenschaftlicher Natur sein, um die intellektuelle Überlegenheit des Rezensenten zu untermauern oder aber es ist weit unter der Gürtellinie und trieft nur so vor Fäkalsprache. Dann drückt es natürlich nur die Beschaffenheit des Produktes aus und sagt nullkommanix über den Rezensenten.
    Interpunktion = entweder ohne Punkt und Komma oder überall!!!!!!!!!!!

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    1. Da hast du absolut recht, die sprachliche Vorgehensweose bei so einer Rezension ist mir vollkommem entfallen.
      Die Herden von Ausrufezeichen dürfen natürlich nie fehlen. Die Anzahl sollte dabei aber variieren. Um keinen Lesefluss aufkommen zu lassen, dürfen es aber nicht weniger als fünf sein.

      Gefällt 4 Personen

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