Spontanbericht #8

Heute verbrachte ich gezwungenermaßen mehrere Stunden mit einer hustenden Person in einem Raum. Da ich selbst aktuell von Viren übermannt bin und mein Immunsystem bemüht ist, wieder die Kontrolle über meinen gekaperten Körper zu erhalten, ist immerhin ein Ansteckungsrisiko nicht gegeben. Dennoch hat es mich sehr irritiert, wie sie fast mit einer stolzen Inbrunst lautstark gehustet hat. Alle 30 Sekunden.
Vielleicht kam mir das auch nur so vor, aber da ich nie zur Übertreibung neige, ist das sehr unwahrscheinlich…

Dazu hielt sie es nicht einmal für nötig, sich den Mund irgendwie zu bedecken. Mir kam es fast so vor, als würde es ihr eine gewisse Freude bereiten, ihre so sorgsam gepflegten Viren in der gesamten Umgebung zu verteilen. Diese in ihrem Entdeckungsdrang einzuschränken, könnte man ja auch fast als Tierquälerei bezeichnen. Der Raum war dann jedenfalls sehr schön kontaminiert und falls jemand das Bedürfnis verspürt, die nächsten Tage nicht arbeiten zu wollen, dort nur ein paar Mal tief einatmen. Oder andere Sachen veranstalten, bei diesen will ich aber nicht anwesend sein.

Also spürte ich bei jedem ausgedehnten Hustenanfall, wie sich eine gewisse Wut in mir anstaute, was mich ein wenig irritiert hat. Dabei durchlebte ich mehrere Phasen: Zuerst fing ich an, die Leertaste stärker als üblich zu betätigen. Das konnte ich aber irgendwann auch nicht mehr steigern, ohne dass man mir den Vorwurf der mutwilligen Zerstörung hätte machen können. Also kam mir der hilflose Gedanke, ich müsste meine Wut kanalisieren, indem ich irgendwas kaputtmache. Zugegebenermaßen erschien mir aber auch das nicht besonders zielführend.

Irgendwann war es dann soweit, dass ich mir dachte, an dieser Stelle hilft nur noch die Notschlachtung. Man könnte das jetzt als überzogen bezeichnen, aber ich wusste mir nicht mehr anders zu helfen. In meiner auch in diesem Moment noch unendlichen Güte habe ich aber davon abgesehen.

Stattdessen habe ich mich früher auf den Weg nach Hause gemacht und als ich an einer roten Ampel stand, hat mich ein Passant angestarrt. Wirklich, er ist stehen geblieben und hat mich mit seinem Blick taxiert. Erschrocken fragte ich mich, ob ich nicht doch eine Notschlachtung durchgeführt habe und man mir dies ansieht, aber daran hätte ich mich erinnert. Und sehr bedrohlich sehe ich mit meinem Nissan Micra jetzt auch nicht aus.

Jedenfalls bin ich dann doch ohne weitere Zwischenfälle Zuhause angekommen. Und hier erwarten mich keine von zwanghaften Hustenanfällen geschüttelten Menschen. Nur welche mit anderen skurrilen Verhaltensweisen, aber die bin ich ja schon gewohnt…

Bis zum nächsten Mal!

7 Kommentare zu „Spontanbericht #8

  1. Pfui. Wut verstehe ich vollkommen in diesem Zusammenhang. Ich frage dann immer freundlich, ob ich ein Glas Wasser bringen soll oder steigere meine mehr oder minder besorgten Fragen, die dann meistens in ein „Geh nach Hause, du musst dich ausruhen“ und leiser hinzugefügt „dann steckst du auch nicht noch mehr Leute an“ münden. Je nach Empfänglichkeit für Zwischentöne hilft das schon, habe ich die Erfahrung gemacht.

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  2. Ich las Rucola und habe mich köstlich amüsiert, wollte schon „Gefällt mir“ klicken, dachte ich doch, dass das Gegenüber nun 30 min. damit beschäftigt ist, die ganzen Rucola-Blätter aufzulesen und wenn er/sie dann endlich damit fertig ist, kommt die nächste Ladung Salat …

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