Die Tücken der Technik

Ja, wir können dankbar sein für die technischen Errungenschaften, die uns in den letzten Jahrzehnten ermöglicht wurden. Kaum noch jemand könnte heute ohne ein Smartphone auskommen und auf der Arbeit erleichtern uns der Computer und dazugehörige Drucker die Sisyphosarbeit, alles per Hand aufschreiben und vervielfältigen zu müssen. Oder mit dem ebenfalls technisch herausragenden Verfahren des Kartoffeldrucks.
Jedenfalls haben wir bei uns in der Behörde abgesehen von den einfachen Druckern am Arbeitsplatz auf jeder Etage einen Multifunktions-ich-scanne-und-drucke-alles-loche-es-hefte-es-zusammen-und-fliege-zum-Mond-Monstrum. Und ganz ehrlich, wenn ich die Teile so sehe, glaube ich wirklich, die könnten einen zum Mond fliegen. Sollte ich bei Gelegenheit mal bei der IT nachfragen. „Kann mich der Multifunktionsdrucker zu unserem natürlichen Satelliten namens Mond fliegen?“ „Versuchen Sie mal, ihn aus- und wieder einzuschalten.“ Hm, ok, frag ich besser doch nicht.

Dieses wundersame Gerät kann also alles, wenn man es denn bedienen könnte. Und auch hier ist der Faktor Mensch wieder die häufigste Fehlerquelle. Nicht umsonst sind unter IT’lern die Begriffe DAU (Dümmster anzunehmender User) oder EIFOK (error in front of Keyboard) geflügelte Worte. Und obwohl ich nicht zu dem elitären Kreis der IT-Spezialisten gehöre, kann ich manchmal nur den Kopf schütteln, wenn ich sehe, mit was für einer Abgestumpftheit sensible technische Geräte von Leuten benutzt werden. Da wird einfach mal als letzte Lösung gegen den Multifunktionsdrucker getreten. Da hat mich ehrlich gesagt gewundert, dass der nicht zurückgetreten hat oder sich anderweitig zur Wehr gesetzt hat (man merkt, ich bin minimal begeistert von diesen Geräten).

Und doch hat mich genau diese Wundermaschine schon zur Weißglut getrieben. Dieser Drucker im zweiten Stock, er wollte mich fertig machen. Ich hatte viel mit ihm zu tun in den letzten Monaten, habe hunderte Seiten vervielfältigt und dieses Gerät wollte sich offenbar dagegen auflehnen.
An einem wunderschönen Montag stehe ich nichtsahnend dort und platziere einen Antrag in der Einzugsvorrichtung. Zuerst sieht alles ganz normal aus, doch dann entsteht der Papierstau. Gut, auch das ist keine Katastrophe, operiert man die Seite halt mit chirurgischer Präzision wieder aus dem Einzug heraus. Doch leider war das hierbei nicht so einfach, der Antrag wurde einfach zerrissen. In fünf Teile. Und ich habe leider die Angewohnheit, sehr schnell die Geduld mit solchen Geräten zu verdienen. Mit Menschen hab ich eine Engelsgeduld, die sind halt so, aber ein technisches Gerät  ist für einen bestimmten Zweck konzipiert und diesen hat es auch zu erfüllen. Sonst kann ich tatsächlich den Kartoffeldruck anwenden, eine Kartoffel würde niemals bösartig einen Antrag zerreißen. Es hätte noch gefehlt, dass der komplette Inhalt der Tonerkartusche über mich entleert wurde. Dann wäre ich gegangen. Wortlos.

Aber auch der Rechner, der uns das Leben um einiges erleichtert, hat ein ungemeines Aggressionspotential. Unser elektronisches Aktenablageprogramm beispielsweise arbeitet mit einer derart bahnbrechenden Geschwindigkeit, ich hab mir teilweise schon überlegt, eine Dissertation während der Ladezeiten zu verfassen. Mittlerweile hätte ich bestimmt schon meinen Doktortitel. Ehrlich mal, da kann ich sowas von verzweifeln. Ich bin ja schneller selbst durch die Netzwerkkabel gelaufen und hab die entsprechenden Daten geholt als dieses Programm.

Mittlerweile wird die Software auch immer aufmüpfiger. Früher hat Windows immer höflich gefragt, wann es uns genehm wäre, den PC neu zu starten, mittlerweile wird von Windows 10 die Ansage gemacht „Ihr System wird in 15 Minuten neu gestartet“.
Ok, ist ja gut, aber bitte nicht schlagen. ._.

Aber ohne die Technik könnten wir natürlich auch nicht mehr. Man stelle sich vor, wir müssten noch mit der Feder Aufsätze schreiben oder mit dem Blut von armen, kleinen Feldhasen Malereien an Höhlen zeichnen. Das wäre doch eine weitaus unfreundlichere Welt.

Bis zum nächsten Mal!

13 Kommentare zu „Die Tücken der Technik

  1. Ich habe aufgehört das „Verhalten“ technischer Geräte persönlich zu nehmen. Im Prinzip sind es doch recht bemitleidenswerte Kreaturen, die lediglich zwei Befehle beherrschen 0 und 1 – also im eigentlich sprach-, seh, geh- und denkbehindert. Ja-Nein, Schwarz-Weiß, An-Aus… na ja, und so weiter. Wahrscheinlich arbeiten sie nur auf Grund irgendeiner Quotenregelung bei uns und ich bin mir sicher, sie ärgern uns nicht mit Absicht – sie können es einfach nicht besser. Was man von Menschen ja nun nicht gerade behaupten kann, denn die bauen diese Maschinen! Aber das kommt eben davon, dass heutzutage jeder Vollhonk studieren darf.

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    1. Bestimmt! Ein weiterer gescheiterter Zweig der Gleichberechtigung. Und das haben wir davon. Manchmal hab ich das Gefühl, die verantwortlichen Programmier schlagen einmal mit der Faust auf die Tastatur und dabei entsteht der Code für ein neues Programm, das alles besser macht.

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  2. Hast Du mal versucht einen Text, insbesondere die Überschriften mit Nummerierung, Querverweise und Verzeichnisse in Word hinzubekommen? Ich glaub alle Beruhigungsmittel dieser Welt würden mich nicht ruhig bleiben lassen. Das letzte Mal war ich kurz davor das Keyboard durch den Monitor zu werfen. Der Schaum vor dem Mund war nicht gespielt und es dauerte drei Stunden bis die Haare wieder lagen. Sie haben mich zu dritt vom Rechner wegschleifen müssen. Eine Mitarbeiterin hat geheult und sich die Ohren zugehalten.
    Ich weiß auch nicht – normalerweise bin ich als Schlaftablette bekannt.

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    1. Das war mir tatsächlich noch nicht vergönnt.Klingt aber tatsächlich auch nicht so, als wäre das gesund für mich. 😀
      Aber so gehts mir auch, eigentlich bin ich nicht besonders emotional, aber in solchen Situationen geht es voll mit mir durch.

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      1. Es fängt immer harmlos an. Irgendein Depp sendet einem eine Word-Datei, die dilettantisch formatiert ist. Ich schau nach und sehe, dass alle Überschriften in einer anderen Farbe und Schriftart UND Kursiv formatiert wurden.
        Ich denke mir noch „Wer macht denn bitte so etwas?“ und bearbeite die Formatierung.
        Danach sind leider alle Nummerierungen falsch. Word hat da wohl so ein „Taktgefühl eines ehemaligen US-Präsidentschafts-Bewerbers“ (Al-go(r)-rithmus), der den User in den Wahnsinn treiben soll. Je mehr man sich auskennt, desto einfacher hat er Dich.
        Die Auswirkungen habe ich gerade schon treffend beschrieben. Meist fängt es mit einem schmerzhaften Schlag gegen die Tischkante an. Kurz darauf folgt das lautstarke Fluchen.
        Erst danach sollte man mich dann mit einem weißen Kittel einfangen.
        Ich zittere schon am ganzen Körper, während ich davon berichte. Schlimme Sache das!

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