Dieses Jahr wird alles besser!

Nein, das ist kein Auswuchs meines bisweilen naiven Optimismus. Tatsächlich soll es heute um das Ritual vieler Menschen gehen, sich im Zuge des Jahreswechsels Vorsätze für das neue Jahr zu setzen, um das eigene Dasein ein wenig freundlicher zu gestalten und der Gesellschaft tatsächlich von Nutzen zu sein. Blicken wir einmal auf die häufigsten Vorsätze, die sich manche Leute mittlerweile schon routinemäßig Jahr für Jahr setzen, schon vollkommen abgestumpft mit einem ironischen Lächeln auf den Lippen ob der Gewissheit, diese eh nach zehn Minuten wieder aufzugeben.

„Dieses Jahr werd‘ ich regelmäßig Sport machen!“

Wie oft haben wir diesen Satz schon im engeren Familien- oder Bekannschaftskreis gehört? Voller Motivation wird dann am nächsten Arbeitstag der Wecker um 4.30 Uhr morgens gestellt, was dann schließlich in einer Mischung aus Wut und Resignation endet, da 4.30 Uhr morgens tatsächlich sehr früh ist und die gesunde Mischung aus Tief- und REM-Schlafphasen dementsprechend leidet. Und hier trennt sich dann das erste Mal die Spreu vom Weizen. Naja, eigentlich trifft es das nicht ganz, man sollte eher sagen, hier trennt sich die Spreu von der hartnäckigeren Spreu, vom Weizen sind wir innerhalb dieses Bildes noch weit entfernt. Denn für einige Leute endet hier bereits der Weg dieses guten Vorsatzes, indem sie der wohligen Wärme ihres Bettes erliegen.

Diejenigen, die sich tatsächlich aufraffen konnten und im Optimalfall mit immer noch glühender Motivation die Wohnsiedlung laufendes Schrittes durchqueren, bemerken nun, dass Joggen und Sport im Allgemeinen mit Anstrengung verbunden ist. Wer hätte auch ahnen können, dass sich zehn Kilometer nicht mal eben bewältigen lassen, wenn vorher der längste Weg vom Bett zum Kühlschrank reichte? Dieser Erkenntnis führt dann mehr oder weniger schnell dazu, das Laufen schleifen zu lassen, je nachdem, wieviel Disziplin noch nicht vom eigenen wunderbar mühelosen Leben untergraben wurde.

Dann gibt es natürlich auch diejenigen, die das Ganze professioneller angehen und sich in einem Fitnessstudio anmelden. Dort angekommen, den Anmeldungsprozess und vielleicht noch das erste Probetraining unter fachkundiger Anleitung durchlaufen, wird sich auch gleich auf diverse Geräte gestürzt, um die Kondition eines Marathonläufers oder den Körper von Arnold Schwarzenegger in seinem Zenit zu erreichen. Faktoren, die hierbei über kurz oder lang zum Scheitern vieler führen, sind die bereits erwähnte Einsicht über die körperlichen Anstrengungen, die man dabei notwendigerweise erfährt oder aber die seltsamen Gestalten, die sich ebenfalls in diesen Hallen aufhalten und deren fehlende Fähigkeit, sich zivilisiert zu verhalten.

Dieser gesamte Prozess lässt sich mit einem Sieb vergleichen, an deren Ende der ersehne Weizen steht, also die Menschen, die diesen Vorsatz tatsächlich langfristig zu einer Lebenseinstellung verwandeln. Leider ist hier der Prozentsatz derer erschreckend niedrig.

„Dieses Jahr hör‘ ich mit dem Rauchen auf“

Auch dieser Satz wird ausgesprochen häufig rund um die Jahreswende getätigt es ist in der Tat durchaus sinnvoll, das Teeren der eigenen Lunge nochmal zu überdenken, denn der Sauerstoff reist nicht in Kraftfahrzeugen durch die Bronchien und beschwert sich dementsprechend auch nicht über die unebenen Wege, die er dort vorfindet.

Leider wird auch dieser Vorsatz allzu oft wieder in die Untiefen des Gehirns verschoben. Spätestens beim nächsten Anfall von überwältigendem Stress aufgrund von Kollegen, die in ihrer Debilität nicht zu überbieten sind oder Vorgesetzten, die sich scheinbar als südamerikanischer Diktator versuchen wollen scheint der Drang, das beinahe zerreißende Nervenkostüm mit einer ordentlichen Portion Nikotin zu beruhigen und die Ausschüttung von Dopamin anzukurbeln, derart groß zu sein, dass der Vorsatz, dieses Laster loszulassen, als eine lächerliche Träumerei erscheint. Zumindest bis zur nächsten Silvesternacht, in der man seinen Freunden und/oder seiner Familie großspurig ankündigt, dem Nikotindämon ein für alle Mal zu entsagen…

„Dieses Jahr werd‘ ich mehr Zeit mit der Familie verbringen!“

Ach ja, auch das ist einer der schönen Vorsätze, die man sich in seiner leicht romantisch angehauchten Neujahrsstimmung setzen kann. Das stellt man sich auch so schön vor: Mit dem Partner (das Maskulinum steht hierbei stellvertretend für beide Geschlechter, ich bitte etwaige Gender-Verfechter, davon abzusehen, mich mit Hasstiraden zu überhäufen) und eventuell vorhandenen Sprösslingen vor dem Kamin sitzen, ein gutes Buch lesen/ einen Film für die ganze Familie anschauen und sich lachend darüber einig zu sein, dass man die beste Familie der Welt hat….
Ja, ähm, die Realität sieht leider nicht so bilderbuchmäßig aus. Der Partner hat seine besten Zeiten hinter sich und ist sowohl körperlich auch seelisch in einen Zustand der vollkommenen Abstumpfung gefallen, was einem Wachkoma erschreckend nahekommt. Die einst so strahlenden Augen sind heute von einem milchigen Schleier verdeckt und die eloquentesten Äußerungen aus dem einst so wortgewandten Munde sind Zustandsberichte über die körperliche Konstitution und eventuell auftretende Mangelerscheinungen.
Bei den Kindern verhält es sich leider ebenfalls nicht besser: Entweder sind diese in einem absoluten Zerstörungswahn verfallen, dem die gesamte Einrichtung der Wohnung zum Opfer fällt. Ein Kind kann keinen Wasserhahn aus rostfreiem Edelstahl zerstören? Urteile nie über die vermeintlichen Schwächen eines Kindes, du wirst es bereuen!
Oder aber die Lendenfrüchte haben ihre Seele bereits dem Internet verkauft und du hast bereits seit geraumer Zeit nicht mehr ihre Augen gesehen, da diese dauerhaft von einem Smartphone verdeckt werden. Auch nachts.

Dieser zerrüttete Zustand der eigenen Familie lässt den Vorsatz, mehr Zeit mit ihnen zu verbringen wie die Unterschrift auf dem Formular zur eigenen Einweisung in eine psychiatrische Heilanstalt erscheinen und auf einmal sind die eben erwähnten Kollegen mit dem Vakuum im Schädel oder der mit eiserner Hand regierende Chef doch ziemlich verlockend. Und so wird aus „mehr Zeit mit der Familie verbringen“ ganz schnell „mehr Überstunden machen“.

Ihr seht, in den meisten Fällen scheitern gute Vorsätze schnell wieder. Entweder an dem Mangel eigener Disziplin oder an den bemitleidenswerten Wesen, die sich „Mitmenschen“ nennen.

Ob ich mir gute Vorsätze setze? Da ich frei von jedwedem Laster bin und überhaupt nahe der menschgewordenen Perfektion, erübrigt sich diese Frage…
Nein, im Ernst, ich bin der Meinung, sobald man etwas Negatives am eigenen Lebensstil entdeckt, sollte man diesen Mangel sofort beseitigen. Der über allem stehende Vorsatz für jedes Jahr sollte lauten, glücklich zu sein und alles zu tun, um dieses Glück zu erreichen. Mit allen Veränderungen, die eben dafür nötig sind.

In diesem Sinne, lebt euer Leben nach euren Vorstellungen, arbeitet auf eure Träume hin und verbringt eure Zeit mit den euch liebsten Menschen!

 

 

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