Ein Jahr geht zuende…

Aller Erwartungen zum Trotz geht auch das Jahr 2015 langsam seinem Ende entgegen. Und trauert nicht, es wird tatsächlich ein weiteres Jahr folgen, hooray! Bevor wir jedoch das unbekannte 2016 begrüßen können, wollen wir noch einmal auf das vergangene Jahr zurückblicken. Und zwar nicht auf die stumpfe Weise, mit denen sich die Big Player im Medienuniversum Jahr für Jahr bemühen, dem offenbar sehr vergesslichen Fernsehzuschauer die Großereignisse des Jahres noch einmal vor Augen zu führen. Denn das ist das Schöne am Menschen: Die Aufmerksamkeitsspanne ist wegen der allzeit verfügbaren Informationen derart gering geworden, dass jeder noch so dramatische Zwischenfall goldfischartig nach wenigen Sekunden vergessen ist. Vielleicht wird deshalb auch jeden Tag mehrere Dutzend Mal dasselbe in den einschlägigen Nachrichtenportalen berichtet und kaum jemand nimmt es bewusst wahr. Vielleicht wird deshalb auch jeden Tag mehrere Dutzend Mal dasselbe in den einschlägigen Nachrichtenportalen berichtet und kaum jemand nimmt es bewusst wahr.

Doch kommen wir nun zu dem, was uns dieses Jahr berührte und teilweise in Atem hielt:

Das Jahr 2015 begann mit dem ersten Januar 2015. Ok, ich gebe zu, das mag den Allermeisten von euch selbstverständlich erscheinen (das will ich bei meiner Leserschaft doch schwer hoffen), ich wollte es der Sicherheit wegen aber nicht unerwähnt lassen.
Der Januar sorgte auch gleich für ein Beben, das die Automobilindustrie erschütterte: Testergebnisse des ADAC waren manipuliert. Wer hätte jemals erwartet, dass in der Automobillobby Gelder fließen, um in einem besseren Licht dazustehen? Also wirklich gerade in diesem Industriezweig, des Deutschen Liebling, rechnet man doch mit weißen Westen.
Jedenfalls flossen seit Jahren Gelder an den ADAC, um die Auszeichnung zum „Gelben Engel, also dem beliebtesten Auto der Deutschen zu erhalten. Ganz ehrlich, wer genug Geld hat, um diesen irrelevanten Preis zu erhalten, der hat keine Strafe verdient, nein. Die betroffenen Firmen sollten lieber dem Hohn und Spott der Gesellschaft ausgesetzt werden. Welcher Autokäufer lässt sich bitte von solch einer Nichtigkeit leiten, wenn es um die Wahl des nächsten Gefährts geht? Da hat die „Goldene Himbeere“ in der Schauspielkunst noch mehr Aussagekraft.
Aber euch sei gesagt, die Themen Manipulation und Automobile werden uns noch weiterhin begleiten. Es war einfach nicht das Jahr des deutschen vierrädrigen Kraftfahrzeugs.

Auch für eine Größe des Feminismus, Alice Schwarzer, begann das Jahr denkbar schlecht. Sie hat sich selbst wegen Steuerhinterziehung angezeigt, wie so viele andere und erntete dafür Spott und Anfeindungen im Internet. Denn gerade sie ist eben nicht wie „so viele andere“. Wer sich über Jahrzehnte hinweg als moralische Instanz darstellt und diese Rolle nutzt, um fanatischen Feminismus unter dem Deckmantel moralischer Kritik auszuleben, der muss damit rechnen, mit anderen Maßstäben beurteilt zu werden. Mal abgesehen davon, dass es mittlerweile scheinbar zum guten Ton gehört, sein aberwitzig großes Vermögen in die Schweiz oder ähnliche Steuerparadiese abzuführen, um nicht vom erbarmungslosen deutschen Fiskus um sein nicht hart verdientes Geld gebracht zu werden. Die Vermögenden dieser Gesellschaft sollten viel mehr Mitleid bekommen, sie werden um ihre kostbaren Penunzen gebracht, während eine alleinerziehende Mutter mit drei Minijobs und ihren Vierlingen kaum Steuern zahlen muss und jeden Tag sorglos mit einem Lächeln auf den Lippen beginnt. Eine wahre Unverschämtheit!

In diesem Jahr stand auch ein sportliches Großereignis an! Leider hatte es nichts mit Fußball zu tun, wodurch schon gefühlte zwei Drittel der Zuschauer verloren gingen, doch auch die olympischen Winterspiele begeistern Jahr für…, alle vier Jahre Millionen von Zuschauern weltweit. Und in diesem Jahr hatte sich der charismatische Anführer Russlands, Wladimir Putin, etwas ganz Spezielles ausgedacht: Olympische Winterspiele in Skigebieten, das kann ja jeder. Aber nur Russland schafft es, Winterspiele in Sotschi stattfinden zu lassen, einer Stadt am Schwarzen Meer, in der subtropisches Klima herrscht. Mit langen, heißen Sommern und kurzen, milden Winter ist dieses Gebiet geradezu prädestiniert für ein winterliches Sportspektakel. Gerade in Russland kommt das nochmal richtig gut. Dort gibt es durchaus Gebiete, in denen sehr winterliche Temperaturen herrschen, aber nein, diesem Mainstream folgt Putin nicht. Immerhin konnten es sich die Athleten gut gehen lassen. Nach den Wettbewerben kann man sich an der Küste zum Schwarzen Meer gut gehen lassen. Dies könnte auch der Grund sein, warum die deutsche Mannschaft derart enttäuschend abschnitt: Sie haben eine gut gefüllte Strandbar entdeckt.
Russland sollte sich auch für olympische Sommerspiele bewerben. Dann aber vorzugsweise in der sibirischen Tundra. Stell mal einen neuen Weltrekord bei -40 Grad Celsius auf, Usain Bolt!

Wo wir gerade beim Thema Sport sind. Während der IOC sich bei der Vergabe von olympischen Spielen keiner Korruption schuldig gemacht hat, oder dessen zumindest bisher nicht überführt wurde, lief es in dieser Hinsicht für die FIFA und den DFB in diesem Jahr nicht besonders erfolgreich.
Halten Sie sich fest, die WM 2022 in Katar ist das Ergebnis von Bestechungsgeldern, die an die FIFA gezahlt wurden. Wer hätte auch ahnen können, dass der Wüstenstaat nicht aufgrund seiner bewundernswerten Fußballhistorie (Platz 86 in der FIFA-Weltrangliste) oder seiner für den Leistungssport hervorragend geeigneten klimatischen Bedingungen (Temperaturen im Sommer von 40 Grad im Schatten und mehr) den Zuschlag bekam? Gerade der seriöse Funktionär Joseph Blatter ist ja dafür bekannt, dass ihm vor allem der Fußball am Herzen liegt. Solange dieser auch sein Bankkonto füllt. Und auch das FIFA Exekutivkommitee glänzt seit jeher mit bewundernswerter Integrität, insofern sitzt der Schock immer noch tief, dass hier Gelder in Richtung der Funktionäre flossen und damit Stimmen erkauft wurden.

Auch der DFB kann sich des Vorwurfs der Korruption nicht länger erwehren. Im Zuge der Bewerbung um die Austragung der Fußballweltmeisterschaft 2006 sind dubiose Zahlungen in Millionenhöhe in Richtung FIFA geflossen, die aber selbstverständlich nichts mit dieser Bewerbung zu tun haben. Und der mittlerweile zurückgetretene DFB-Präsident Wolfang Niersbach hat eine vollkommen weiße Weste. Nun, schockt es tatsächlich noch jemanden, dass eine WM gekauft werden muss? Im Gegenteil, es würde mich in höchstem Maße erstaunen, wenn ein medial und finanziell derart bedeutsames Großereignis ohne monetäres Nachhelfen ausgerichtet würde.

Weiterhin sorgte in diesem Jahr die PEGIDA für Aufsehen, leider. Die „Patrioten Europas gegen die Islamisierung des Abendlandes“ riefen bundesweit zu Aufmärschen auf, denen so viele Rechte folgten, dass mehr als ein Dutzend Gehirnzellen geballt durch die Straßen zogen. Denn Schwarmintelligenz ist die einzige Intelligenz, die diesen Mikroben überhaupt zur Verfügung steht. Und leider ist es auch damit nicht weit.
Gerade durch den beständigen Flüchtlingsstrom erzielten diese und weitere ähnliche Gruppierungen einen besorgniserregenden Aufwind. Der Rechtspopulismus ist wieder oder immer noch eine Gefahr für dieses Land. Sie schüren Angst in dieser Gesellschaft und diese Angst lähmt den Umgang mit Flüchtlingen. Anstatt zu helfen, wo man kann, wird Ablehnung gepredigt und Gewalttäter stecken Flüchtlingsunterkünfte in Brand. Allein dieser Umstand zeigt deutlich, dass mit jenen Menschen nicht vernünftig zu diskutieren ist. Fremdenhass und Hass allgemein ist keine Meinung, da gibt es nichts, was man tolerieren kann und darf.
Ein weiterer interessanter Fakt: Die Verkäufe von Pfefferspray sind in diesem Jahr geradezu explodiert. Eine unglaubliche Paranoia scheint um sich zu greifen und das ist beunruhigend.

Entschuldigt diesen Schlenker in die Ernsthaftigkeit, aber ich denke, auch das muss gesagt werden. Aber ich hoffe und bin mir sicher, ich bin nicht der Einzige, der so denkt.

Wie bereits anfangs erwähnt, wird uns das Thema Manipulation öfter heimsuchen. Und ja, einer der größten wirtschaftlichen Skandale fand in diesem Jahr in der Automobilbranche statt: Bei VW hatte man die grandiose Idee, dass man die geltenden Umweltnormen, also Verbrauchs- und CO2 Werte in den Abgasen der Fahrzeuge, auf eine elegante Weise umgehen könnte. In der Tat war es extrem elegant, das Motorsteuergerät zu manipulieren, sodass es erkennt, wenn sich der Wagen auf dem Prüfstand befindet und somit die Leistung drosselt. Und weil man so weitsichtig war, konnte man nicht damit rechnen, dass tatsächlich mal Praxistests durchgeführt würden, bei denen die Co2-Werte minimal über den Grenzwerten lagen. Sie wurden teilweise um das 30fache überschritten, ist ja wirklich vernachlässigbar. In den USA zeigte VW diese tolle Werbung, in der eine Frau ihr weißes Taschentuch vor einen Auspuff eines Kraftfahrzeugs der Marke VW mit dem berüchtigten Dieselmotor hielt und es blieb weiß. Nun, das kann man auch tatsächlich tun. Wenn man ein Taschentuch rußschwarz färben will, gibt es keine einfachere Möglichkeit. Bei VW wünscht man sich, die Jahresbilanz würde ebenso schwarz ausfallen. Leider ist sie aufgrund der nötigen Rückrufaktionen rot. Tiefrot.

Auch Google liefert jährlich einen eigenen Jahresrückblick, natürlich mit den meistgestellten Suchanfragen 2015. Das Ganze ist aber wirklich interessant aufgebaut. Es gibt auch eine Rubrik, in der dien Suchanfragen nach thematischen Kategorien aufgeteilt sind auf Platz 5 der meistgestellten „Was“-Fragen ist tatsächlich „Was ist Liebe“. Das lässt mich ehrlich gesagt etwas irritiert zurück. Wer an diese Frage mit der Hoffnung auf eine objektive Antwort rangeht, hat das Prinzip von Emotionen wie Liebe offenbar nicht so ganz nachvollziehen können. Und wer bei Google keine befriedigende Antwort findet, landet dann irgendwann bei den großen Fragen der Menschheit! (Eigenwerbung: check!)
Auf Platz 1 der meistgesuchten internationalen Personen ist leider wieder einmal Justin Bieber. Wer diesen Menschen bei Google sucht und zwar nicht mit der Intention, ihn auszulachen, sollte sich ernsthafte Gedanken machen, ob sein Leben noch auf dem richtigen Weg ist.
Auf den Plätzen 4 und 5 der meistgestellten „Wie“-Fragen sind „Wie geht es dir?“ und „Wie heißt du“. Und auch das halte ich für etwas eigentümlich. Wieso sollte ich das bei Google eingeben? Erwarten da Leute tatsächlich eine Antwort des Rechenzentrums? Es ist ja lobenswert, dass man sich um das Wohlbefinden einer Suchmaschine sorgt, aber dennoch irritierend.
Aber mein Highlight ist: „Warum haben Katzen Angst vor Gurken?“ Ich besitze keine Katze, aber das scheint ja tatsächlich ein häufiger auftretendes Problem zu sein. Falls unter euch Katzenbesitzer sind, könnt ihr mir das bestätigen? Und beschränkt sich das nur auf Gurken oder auch anderes Gemüse? Essen Katzen denn Gurken oder haben sie generell Angst davor, egal in welcher Form? Fragen über Fragen und wieder einmal schweife ich ab.

Und damit habe ich auch schon alle Themen erwähnt, die es wert sind, aufgearbeitet zu werden. Und damit kommen wir zum letzten Teil (der auch den Langweiligsten darstellt):

Mein persönliches Jahr 2015.
2015 war ein ereignisreiches Jahr. Während meiner Ausbildung im öffentlichen Dienst habe ich viele neue Eindrücke gewonnen, das den Beamten anhaftende Klischee der geringen Arbeitsmotivation teilweise bestätigen können, habe aber auch sehr kompetente und arbeitswütige Mitarbeiter kennenlernen dürfen. Ich durfte außerdem lernen, dass hinter einer noch so eloquenten Fassade nicht unbedingt eine dementsprechende Kompetenz zu finden ist.
Dazu wurden mir Menschen, von denen ich es nicht unbedingt erwarten konnte, zu wunderbaren Freunden, was das wertvollste Ergebnis dieses Jahres ist.
Ich habe mehr denn je begriffen, dass unser Leben zu kurz ist, um mit dem zufrieden zu sein, was man hat und kann. Und das versuche ich, umzusetzen. Ich habe angefangen, Spanisch zu lernen, will irgendwann studieren, ich habe noch so viel vor!
Und natürlich habe ich diesen Blog gegründet. Zuerst auf Blogger.de und jetzt hier und ich bin sehr überrascht, dass es tatsächlich Menschen gibt, den gefällt, was ich schreibe und es regelmäßig verfolgen. Vielen Dank an euch, das weiß ich echt zu schätzen! 🙂
Und auch 2016 wird es hier natürlich weitergehen. Die Welt ist niemals vor meinem beißenden Sarkasmus sicher, dies sei euch gewiss.
Also kommt gut ins neue Jahr, verabschiedet 2015 mit einem ausschweifenden Trinkgelage, begrüßt 2016 mit ebendiesem im Kreise der euch liebsten Menschen und schaut auch nächstes Jahr hier wieder vorbei!

 

 

 

 

 

 

9 Kommentare zu „Ein Jahr geht zuende…

  1. Interessant, dass du Charlie und Paris ganz aus deinem Rückblick rauslässt.
    Ansonsten kann ich ja nochverstehen, dass siebenjährige Mädchen „Was ist Liebe“ suchen, aber zum Teufel wer fragt Google, wie es ihm geht?? :oo
    Und ich hab leider keine Katze 😀

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    1. Die Themen überlasse ich dann doch lieber ernsthafteren Medien. Ich war mir nicht sicher, wie ich das in einen solchen Beitrag hätte einbauen sollen, ohne taktlos zu werden.
      Haha, die Googleanfragen haben mich auch wirklich teilweise sehr verwundert. 😀 Ich hinterfrage ja immer, mit welcher Intention man sowas macht, aber ich finde keine Antwort.

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  2. Manchmal denke ich mir tatsächlich: „Ach, das ist AUCH dieses Jahr passiert?“

    Bezüglich der Katzen (ich besitze jedoch auch keine):
    Wie würdest du reagieren, wenn du auf der Toilette (oder einem anderen ungestörten Ort) säßest und man dir von hinten ohne Vorankündigung eine Gurke in dein Blickfeld schieben würde? Ich glaube, wir alle wären ziemlich überrascht. 🙂
    Und so ergeht es auch der Mieze, die nichts ahnend in ihrem hochheiligen Fressvorgang vertieft ist.
    Genauso gut könnte man wahrscheinlich auch einen anderen Gegenstand verwenden, der auffällig genug ist, um ablenken zu können (hat das schon jemand ausprobiert?).
    Wenn man diesen „Gurkentrick“ oft genug testet, garantiere ich eine baldige Verhaltensstörung (auf beiden Seiten…) und eine noch hastiger futternde Katze….und reichlich Gurkensalat.

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    1. Nun, das stimmt schon, ein riesiger gurkenförmiger Gegenstand würde mich durchaus irritieren. 😀 Da fehlt wirklich der Praxistest, ob diese Reaktion allgemein von unbekannten Gegenständen ausgelöst wird oder diese eine Sonderrolle innehat.

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  3. Ich werde unsere zwei Kater nachher einem Praxistest unterziehen.
    So gross kann die Angst im Allgemeinen aber nicht sein, denn ich erinnere mich, dass wir vor vielen Jahren einen gurkenfressenden Kater hatten.
    Bleibt noch die Frage, Salat- oder Gewürzgurke?… Bei letzterer wird wohl der Essig unerträglich sein für die empfindlichen Nasen. Aber ich teste das nachher.

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  4. Pingback: Schnipselsammlung

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