Adventsgedanken #3

Viele von euch haben wahrscheinlich auch schon die Werbung für die „Kinder Karaoke App“ gesehen, mit der man seine Liebsten mit eigenen Interpretationen von weihnachtlichen Gesängen erfreuen kann. Ich finde diese Werbung furchtbar, sie löst in mir ein extremes Gefühl der Fremdscham aus.

Ihr kennt das bestimmt, euer Innerstes windet sich, wenn ihr etwas derart peinliches im Fernsehen seht, obwohl es euch eigentlich nicht direkt betrifft. Mein erster Gedanke war, wie schwer die Menschen hinter der Kamera beim Dreh dieses Werbespots sein müssen, dass sich die Protagonisten auf derart peinliche Interpretationen von „Morgen Kinder wird’s was geben“ einlassen und das Risiko eingehen, für den Rest ihres Lebens auf der Straße ausgelacht zu werden.
Sollte irgendjemand den Einfall haben, mich mit einem solchen Video belästigen zu müssen, werde ich auf ewig jeden Respekt vor ihm verlieren und ihn bei jeder Gelegenheit mit geringschätzigen Blicken an sein verlorenes Selbstwertgefühl erinnern.

Aber der beliebte Schokoladenhersteller ist natürlich nicht das einzige Unternehmen, das weihnachtliche Gefühle dafür nutzen will, den Vertrieb seiner Produkte zu erhöhen. Gerade zur Weihnachtszeit läuft die Werbeindustrie zur Hochform auf, was jedoch kein Indiz für Qualität ist, die Quantität steht hierbei im Vordergrund: Es werden lispelnde Kinder in allen Variationen vor die Kamera gezerrt, harmonische Familien abgebildet, was der Traum jedes Haushaltes in Deutschland sein soll und das alles ist natürlich nur möglich, wenn man genau das Produkt kauft, das eben Inhalt des Werbespots ist.

Es fehlt mir einfach eine gewisse Cleverness in unserer Werbelandschaft. Ich zeige euch mal ein Beispiel aus den USA, die Werbung für den damals neuen Mercedes GL. Keine Sorge, ich wurde nicht von Mercedes verpflichtet, diese Anzeige ist mir nur absolut im Gedächtnis geblieben, seit ich sie vor Jahren zufällig im Internet gefunden hatte. Die Merkmale des Wagens, die betont werden sollen, werden auf eine derart übertriebene Weise dargestellt, das finde ich persönlich einfach unterhaltsam. Und genau sowas ist das Erfolgskonzept guter Werbung, sie muss unterhalten und Wiedererkennungswert haben. Leider finde ich derart gute Werbung so gut wie nie in Deutschland, aber dafür umso häufiger in den USA. Das muss man ihnen lassen, die Verantwortlichen beherrschen ihr Fach.

Sowas brauchen wir, einen gewissen Witz der hängen bleibt und keine Kinder, die Schokoladenweihnachtsmänner von Regalen klauen oder kleine Mädchen, die Obst im Mixer zerkleinern und mit ihrer nervtötenden Stimme latente Aggressionen in Zuschauern wecken. Gerade jetzt, in der umsatzstärksten Zeit des Jahres, könnte man so viel mehr aus den Geldbörsen der Menschen holen. Denn das ist das Ziel, bei aller vorgetäuschten Romantik. Und seien wir mal ehrlich, viel braucht es doch wirklich nicht, um die Weihnachtseinkäufe anzukurbeln.

 

6 Kommentare zu „Adventsgedanken #3

  1. Ich versteh das auch nicht. Gute Werbung kann doch nicht so schwer sein. Allerdings dachte ich das im Matheunterricht auch immer von den anderen, während ich bei Deutsch und Englisch nicht verstand, warum jeder die Sprache richtig schreiben konnte außer mit… Vielleicht sollten wir Werbung machen?

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    1. Meine Situation war immer umgekehrt. 😀 Mathe war meine Achillesferse, während ich Sprachen mehr alles alles andere mochte.
      Aber ich frag mich auch immer, wieso man hier nicht derart kreativ ist? Vielleicht hat man Angst, den Zuschauer zu „verschrecken“ und geht lieber kein Risiko ein. Schade auf jeden Fall.

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