Adventsgedanken #2

Nun, zufällig fällt am heutigen sechsten Dezember auch der „Ich-fülle-Stiefel-mit-Süßigkeiten-um-die-im-Weihnachtsrausch-eskalierenden-Kinder-ruhigzustellen“-Tag, auch Nikolaustag genannt, auf den zweiten Advent. Ein Grund mehr, euch mit einem weiteren Beitrag zu beschenken.

Jedoch verrät einzig der Blick in den Kalender, dass wir uns in der Weihnachtszeit befinden. Ein weihnachtliches Schneegestöber bleibt bislang aus. Auf Weihnachtsmärkten schlendern die Besucher in T-Shirt umher und fragen nach einem Caipirinha anstatt eines Glühweins. Oder zumindest nach Eiswürfeln in Selbigem. In der Tat ist es erstaunlich mild für die Jahreszeit. Bei den Verantwortlichen der Deutschen Bahn berät man fieberhaft, welche Ausreden man stattdessen für die üblichen Verspätungen finden könnte, wenn nicht eine mehrere Millimeter dicke Schneeschicht auf den Gleisen, welche für unkontrolliertes Fahrverhalten und massenhafte Entgleisungen sorgen könnte. Doch dann fällt ihnen auf, die Leute würden eher eine Erklärung dafür verlangen, wenn die Züge pünktlich kämen.

Blickt man aus dem Fenster wirken die Weihnachtsdekorationen seltsam trist in diesem einheitlich grauen Herbstwetter, welches nicht gerade für warme Herzen vor dem Kamin sorgt. Alles wirkt derart grau und leblos, selbst die Leute auf den Straßen wirken schlecht gelaunt. Oh, vergesst, was ich sagte, wir sind hier ja in Deutschland. Ist ja nicht so, als wären wir Deutschen für unserer ausgelassene Fröhlichkeit bekannt.
Aber wofür sind wir schon noch bekannt? Früher konnte man hier die deutsche Präzision nennen, aber auch das hat sich mehr oder weniger verabschiedet. Der Berliner Flughafen wird vielleicht im nächsten Erdzeitalter fertig gestellt, wenn überhaupt. Wahrscheinlich fliegen irgendwann keine Flugzeuge mehr, wenn der zu diesem Zeitpunkt amtierende Flughafenchef stolz die Eröffnung verkündet. Ich meine, wer hätte auch ahnen können, dass das Konzept einer Rauchabzugsanlage am Boden des Flughafens aufgrund der physikalischen Eigenschaft von Rauch, nach oben zu steigen, nicht funktioniert. Diese naturwissenschaftlichen Erkenntnisse sind quasi taufrisch.

Auch in der Bundeswehr scheint man das Prinzip von einsatzbereitem Gerät nicht voll verinnerlicht zu haben. Wenn von knapp 60 Tornado-Jets 29 flugbereit sind, kann man mit Fug und Recht behaupten, dass das Glas halbleer ist und nicht halbvoll. Der Begriff „halbleer“ ist dabei schon mehr als optimistisch formuliert.

Aber heute ist ein solcher Tag der Besinnlichkeit, an dem man all diese Probleme in den Hintergrund drängen sollte.Mit zwei Kerzen auf dem Adventskranz lodert die doppelte Gefahr eines Wohnungsbrandes vor sich hin, die Kinder erfreuen sich an der Schokolade, die den Zehnjahresbedarf an Zucker deckt und die Eltern schreien sich zur Abwechslung nur eine halbe Stunde lang an. Im Hintergrund dieser Wutausbrüche kann man den Engelschor quasi singen hören. Ach, ist das friedlich, da geht einem doch das Herz auf…

 

 

 

 

 

2 Kommentare zu „Adventsgedanken #2

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