Adventsgedanken #1

Der erste Advent läutet endgültig den Beginn der Weihnachtseinkäufe ein. Passend dazu lockt das Rheinparkcenter Neuss, ein Einkaufszentrum in Neuss (wer hätte das gedacht?) zum verkaufsoffenen Sonntag. Und ich habe dem Spektakel natürlich auch beigewohnt.

Es fing schon gut an, die Ausfahrt in Richtung Rheinparkcenter war einfach vollkommen dicht. Die gefühlt gesamte Bevölkerung von NRW konnte es sich nicht nehmen lassen, der Sensation des sonntäglichen Einkaufs beizuwohnen. Immerhin bekam ich so Gelegenheit, erneut die wunderbare Spezies der deutschen Autofahrer zu beobachten. Klar, ich lass dich liebend gern in die Spur, wenn du ganz clever am Stau vorbeifährst, um im letzten Moment in die Abbiegespur einzufädeln. Ich verspreche dir, wärst du mir ins Auto gefahren, hätte ich dir alle Gliedmaßen mit einer stumpfen Nagelschere abgetrennt. Zumindest hätte ich mir das gewünscht, wahrscheinlicher ist es, dass ich vollkommen perplex in meinem Auto gesessen hätte, mal wieder überrascht von der grenzenlosen menschlichen Inkompetenz. Glücklicherweise kam ich dann doch mehr oder weniger unbeschadet in diesem Tempel der Konsumgesellschaft an.

Und ja, mir offenbarte sich der Anblick von Tausenden Menschen, bereit, ihr angespartes Vermögen in das Bruttosozialprodukt einzuspeisen. Aber dazu hab ich mich ja schon mehr als ausführlich ausgelassen. Nun, es reicht ja nicht, dass es eh schon brechend voll war, es müssen auch noch Menschen, die ihren leeren Augen nach zu schließen, entweder ins Wachkoma gefallen sind oder einfach hirntot sind, in den Gängen stehen und, nun ja, atmen. Womit sie scheinbar vollkommen ausgelastet sind und die Menschenmasse, die diesen Gang passieren möchte, komplett ignorieren. Kein Problem, gerade in dieser architektonischen Meisterleistung, die mit mehr als einem Dutzend Besuchern quasi ausgelastet ist, ist das gar kein Problem, ein paar Gänge noch zusätzlich mit vor sich hin vegetierenden menschlichen Kadavern zu blockieren. Man soll es ja auch schön kuschlig haben in der Weihnachtszeit!

Auch die Läden waren dementsprechend überfüllt. Zumindest bis auf das Geschäft für Sportnahrung. Überraschend, will etwa niemandem seinen Liebsten einen Zehn-Kilo-Eimer Whey Proteine zu Weihnachten schenken? Gerade das Symbol unseres alljährlichen Weihnachtsrausches, der Weihnachtsmann, könnte mal mehr Sportsgeist verkörpern. Roter Mantel, weißer Bart, Rentierschlitten, das ist alles überholt. Demnächst kommt er im Tank Top, im tiefergelegten BMW M3 sitzend, die Ray Ban aufgesetzt und die Bass Machine lässt den Asphalt vibrieren. Und Knecht Ruprecht trägt statt seiner dünnen Rute einen Schlagring und Baseballschläger, um jeden zu bestrafen, der sich nicht in der Massephase befindet. Das würde die Massen ins Fitnessstudio treiben! Im wahrsten Sinne des Wortes.

Ich glaube, ich schweife wieder mal ab…
An solchen verkaufsoffenen Sonntagen fühle ich immer mit den armen Skl… Menschen mit, die an der Kasse stehen müssen. Klar, wer sich auf eine Stelle im Einzelhandel bewirbt, muss damit rechnen, aber ich bekomme jedes Mal das Gefühl, eine spezielle Mordlust in den Augen der Mitarbeiter zu sehen. Und glaubt mir, wenn diese ausbricht, geht das nicht schnell und schmerzlos vonstatten. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie qualvoll ein Mord mit Wechselgeld und Kartenlesegerät sein muss.

Besonders erwähnt seien auch die Kinder an solchen Tagen. Wenn ihr schon eure Lendenfrüchte mit in überfüllte Einkaufszentren schleppt, lasst sie wenigstens nicht auf arglose Passanten losgehen. Ist natürlich meine Schuld, wenn mich ein durch Glückshormone berauschtes Kind anrempelt. Mein Freund, wenn du das hier liest, der böse Blick wird dir eine einfache Fahrt ins Bergwerk einbringen, falls ich jemals den Titel Herrscher des Universums“ tragen sollte.

Was mich ebenfalls ganz fürchterlich nervt, ist dieser immer weiter verbreitete Verzicht auf Einkaufstüten. Ich weiß, man muss auf die Umwelt achten und ich kann ja meine eigene mitbringen, ist mir aber egal. Für Kunden wie mich, die leider kein Känguru sind, sollte man zumindest optional ein tragbares Behältnis für die erworbenen Kostbarkeiten anbieten. Ich sollte an der Kasse einfach mal anmerken, dass ich leider nicht alles an und in meinem Körper unterbringen kann, auf Dauer sorgt das leider echt für Verdauungsprobleme. Aber damit würde ich ja wieder mit den Konventionen unserer humorbefreiten Gesellschaft brechen. Das kann ich wiederum nicht verantworten.

Ansonsten ging dieser Tag relativ ereignislos vorbei. Meine Familie ist in den „Wir müssen das ganze Haus schmücken!!!!“-Wahn verfallen, was mir desweilen ein wenig die Nerven raubt. Aber doch, die Weihnachtszeit ist eine schöne Zeit. Worüber könnte ich sonst auch schreiben? 😀
Bis zum nächsten Mal!

6 Kommentare zu „Adventsgedanken #1

    1. Oh, das ist suboptimal. Bei mir gehts mobil eigentlich.

      Aber das freut mich, wenn ich dich unterhalten konnte. 😀 Ist auch wirklich zum verzweifeln, wie einige einfach mal in den geistigen Standby-Modus schalten, wenn sie sich in der Öffentlichkeit bewegen.

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      1. Geht mir ähnlich. Zumindest versuche ich, niemandem mit spontaner Gedankenverlorenheit auf die Nerven zu gehen. >.<
        Aber solche kognitiven Schwachstromaggregate gibt's leider zu häufig. 😀

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