Der Friseurbesuch

Einige Leute, vor allem Frauen, lieben es, für mich ist es einfach nur eine Notwendigkeit, die sich bestenfalls nicht mehr als nötig in die Länge zieht: Der Friseurtermin. Da ich selbst nicht über das notwendige Geschick verfüge, mir die Haare selbst zu kürzen, vertraue ich diese ehrenvolle Aufgabe Leuten an, die dieses Handwerk erlernt haben und im Optimalfall auch beherrschen. Zugegeben, ich verlange keine Wunderdinge, sondern nur, dass meine Frisur auf ein annehmbares Maß gekürzt wird und eine gewisse Struktur sichtbar wird.

Doch gerade diese Simplizität meines Wunsches scheint viele Friseurinnen zu verwirren, welche daraufhin einen Fragenkatalog abspulen, wie viele Millimeter mir genehm wären und welches Schneidwerkzeug ich bevorzugen würde. Ich habe nie den Friseurberuf erlernt und hatte es auch nicht vor, ein Elektriker fragt mich auch nicht, ob er eine Kabelschere oder ein Kabelmesser benutzen soll, sondern wählt das für die Situation am besten geeignete Werkzeug aus. Also bitte, solange keine Kettensäge oder ein Flammenwerfer in Frage kommt, ist es mir gleich, was das Werkzeug ihrer Wahl ist.

Nach der dann doch vergleichsweise kurzen Beratung folgt die Haarwäsche. Auch hierbei bin ich ziemlich anspruchslos, die Frage danach, ob die Wassertemperatur in Ordnung sei, hab ich bisher noch nie verneinen müssen, falls dem so wäre, würde ich dies auch bereits vorher deutlich machen. Auch würde ich mich beschweren, wenn mir die Gefahr der spontanen Erblindung durch ein aggressives Haarshampoo drohen würde, aber auch das war bisher glücklicherweise nicht der Fall.

Nachdem ich die Frage nach einem Getränk jedes Mal verneine (ich spare mir dabei den Zusatz, ob vielleicht Chloroform vorrätig ist, um mich für die nächste halbe Stunde einfach außer Gefecht zu setzen) folgt der Haarschnitt und dabei schwelge ich gern ungestört in meinen Gedanken. Nicht, dass ich mich nicht gern mit Menschen unterhalten würde, doch erstens kann ich selbst am besten arbeiten, wenn ich mich allein darauf konzentriere, also setze ich das auch erstmal bei Friseuren voraus. Ich möchte ungern eine Unachtsamkeit verursachen, während eine Frau mit einer potentiell gefährlichen Schere in der Nähe meines Gesichts hantiert. Des Weiteren weiß ich einfach nicht, worüber ich mich mit ihnen unterhalten sollte. Ich habe nicht unbedingt vor, jede Friseurin dieses Salons persönlich kennenzulernen, um über ihre Interessen reden zu können und oftmals wirkt es auch nicht so, als ob wir da auf einen gemeinsamen Nenner kämen. Und Smalltalk liegt mir einfach gar nicht. Entweder führe ich eine echte Unterhaltung oder lass es bleiben, aber ehe ich mehr als fünf Sätze über das ungewöhnlich kalte/warme Wetter verschwenden muss, führe ich lieber Selbstgespräche. Wortlos, versteht sich, sonst kommt noch jemand auf die Idee, mir professionelle Hilfe zu rufen.

Ich könnte natürlich auch eine spannende Diskussion über die atomaren Experimente beginnen, die CERN durchführt, aber die Aussicht auf fruchtbare Ergebnisse ist in diesem Fall sehr gering.

Natürlich gibt es auch Friseurinnen, mit denen will man sich einfach nicht unterhalten. Einer jungen, kaugummikauenden Frau, die beim Anblick jeder Frisur nur ein „Oh my god!“ mit schlecht imitiertem amerikanischen Akzent hervorbringt, traue ich einfach keine geistreiche Unterhaltung zu und verkneife mir zum Wohle meiner Gesundheit gleich jeden Kommentar. Hierbei möchte ich den Hinweis auf die potentiell gefährliche Schere in der Nähe meines Gesichtes nochmal unterstreichen.

Handwerklich wurde ich jedoch bisher selten enttäuscht. Weder wurden alle meine Haare entfernt noch in den dauerhaften Zustand einer ungesunden Farbe versetzt, noch wurden mir jedwede schwereren körperlichen oder seelischen Schäden zugefügt. Insofern kann ich mich also nicht beklagen und guten Gewissens den verdienten Lohn für die Arbeit entrichten. Doch das darauf folgende „Bis zum nächsten Mal!“ klingt jedes Mal wie eine Drohung.

2 Kommentare zu „Der Friseurbesuch

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