Die Rechnung, bitte! #2

Ich weiß, der erste Teil dieser Serie ist noch nicht allzu alt, aber mich überkommt gerade der Drang nach einer weiteren Abrechnung, also viel Spaß mit dem zweiten Teil dieser misanthropischen Serie. 😀

Heute soll es um ein Schwergewicht der deutschen Medien- insbesondere Fernsehlandschaft gehen, die RTL Group.
Seit Jahren versorgen uns die in dieser Mediengruppe vereinten Privatsender mit dem gehaltvollen, seriösen Fernsehprogramm, nach dem der Zuschauer des 21. Jahrhunderts verlangt.
Hollywoodreife Skripte, die von begnadeten Rohdiamanten der deutschen Schauspielkunst im Rahmen der Scripted-Reality-Dokus auf den Bildschirm gezaubert werden, sind ein wahrer Genuss für jeden Fernsehgourmet und sorgt regelmäßig für bezaubertes Seufzen in den Wohnzimmern. Oder auch andere Geräusche…

Im Folgenden werden einige dieser Blüten besonders herausgestellt, deren Konsum nach gefühlten zehn Stunden, welche sich nur als die fünf Minuten des Vorspanns herausstellten, jede Gehirnzelle des Opfe… Zuschauers unwiederbringlich vergewaltigt und zerstört hat.

Beginnen wir mit einem fast schon Urgestein des Senders RTL: „Bauer sucht Frau“
In dieser Realityshow werden einige Laienschauspieler, die Agrarökonome (für den gemeinen RTL Zuschauer, welcher sich aber bitte nicht hierher verirren soll: Bauer) mit vollkommener Realitätstreue verkörpern, mit paarungswilligen Weibchen auf ihrem Hof vereint, um im besten Fall eine Liebesbeziehung zu beginnen. Und ja, man spürt förmlich das Knistern beim Betrachten dieser Show. Ich habe noch nie ein derart romantisches Bild gesehen als zwei beinahe kopulierende Menschen vor dem Hintergrund einer Kuh, welche genüsslich ihren Darm entleert. Vergesst Titanic, Vom Winde verweht, das ist der Shit, der den Massen die Tränen in die Augen steigen lässt.

Es reicht ja nicht, dass sich diese Menschen vor der Kamera einfach ein wenig bezirzen und Zärtlichkeiten austauschen, weit gefehlt. Es müssen die absurdesten Szenarien gezeigt werden, welche die größte Fremdscham auslösen, den ich je erleben durfte. Das Ganze lässt sich mit einem Autounfall vergleichen. Keiner will es sehen, aber doch guckt jeder hin. Dieser Satz lässt sich übrigens auf gute 99% des Programms anwenden, was die Popularität von RTL erklären durfte.

Kommen wir zum nächsten Beispiel, „Schwiegertochter gesucht“. Diese hochintellektuelle „Dokumentation“ ist auf RTL II zu bestaunen, einem Tochtersender, nein, einem Wurmfortsatz des Hauptsenders.
Das Konzept ist ähnlich wie bei Bauer sucht Frau. Hierbei suchen allerdings keine Landwirte die Liebe des Leb…, lassen wir das, jedenfalls suchen hier irgendwelche sehr speziellen Menschen ein Weibchen. An dieser Stelle frage ich mich jedes Mal, wie diese Leute aufgetrieben werden, die sich allen Ernstes bereit erklären, einen vollkommenen Freak zu spielen, der in seinem Leben noch nie eine Frau abbekommen hat und einfach nur dem sensationsgeilen RTL-Publikum vorgeführt wird wie ein Schwein dem Schlachter.

Im Zuge dieser Unterhaltungssendung kommt dann das übliche Prozedere zum Tragen, zwei Menschen treffen sich und können kaum noch an sich halten und fangen nach wenigen Sendeminuten an, sich innig zu lieben. Klar, muss ja auch schnell gehen, das Hardcore-RTL Publikum besitzt eine Aufmerksamkeitsspanne, die nicht einmal bis zum letzten Szenenwechsel reicht.

Hierbei sei den Produzenten auch ein besonderes Talent nachgesagt: Sie schaffen es auf eine unnachahmliche Weise, dass solche eigentlich ästhetischen Dinge wie das Küssen zweier Menschen derart ekelerregend wirkt, dass man sich lieber Videos von Greenpeace zu Gemüte führt, in denen kleine Felltiere bei lebendigem Leib gehäutet werden. Ehrlich, ich habe selten so etwas Abstoßendes gesehen. Respekt dafür, RTL, großes Kino!

Eine kleine Hürde kommt den frischgebackenen Pärchen dann aber doch meist in die Quere: Die Mutter des Singles, quasi die namensgebende Schwiegermutter in spe. Dies ist entweder ein verbitterter Drachen, welcher jedes Glücksgefühl für ewig verbannt hat oder eine überfürsorgliche Glucke, welche ihren mittlerweile 35-jährigen Sohn natürlich nicht gehen lassen kann, das müsse ja alles ganz gemächlich voran gehen. Und die Frau an seiner Seite sei überhaupt nicht die Richtige und so weiter und sofort. Stellt ihr euch hier einfach jedes langweilige Schwiegermutterklischee vor, dann wisst ihr wie das abläuft.

Auch dieses Programm zeigt, was RTL am besten kann. Die Sensationsgeilheit der Menschen befriedigen, sie in ihrem eigenen teilweise vielleicht mitleiderregenden Dasein bestärken „Guck mal, die sind noch asozialer als wir, damit gehören wir doch zur Elite!“ und damit für hohe und immer wiederkehrende Einschaltquoten zu sorgen.

Kommen wir zu der Mutter aller Castingshows, mit einem aus den USA kopierten Konzept, bitte kreischt nicht zu laut „Deutschland sucht den Superstar“.
In dieser Castingshow geht es darum, ein Gesangstalent zu finden, welches in der Lage ist, Platten zu verkaufen. Das ist die Quintessenz dieser Show. Das ganze verpackt in einer Samstagabendshow, deren Lack langsam aber sicher nicht nur bröckelt, sondern einfach nicht mehr vorhanden ist.

Jede Staffel startet mit den Castings. Hier wird auf das bewährte Rezept zurückgegriffen, Menschen auf lächerliche Art und Weise zur Schau zu stellen, welche zugegebenermaßen nicht wirklich mit einem Gesangstalent gesegnet sind. Hierbei darf Dieter Bohlen sein gesamtes Arsenal an Beleidigungen und Demütigungen abfeuern, was er immer wieder damit begründet, dass er ehrlich sein will. Wow, eine vollkommen schlüssige Argumentation. Schaffen wir den Straftatbestand der Beleidigung einfach ab, ist ja nur entwaffnende Ehrlichkeit.
Jedenfalls schaffen es hierbei einige mit Talent (oder bei einigen weiblichen Kandidaten mit gutem Aussehen) gesegneten Menschen in den Recall.

Dieser findet seit einigen Staffeln auf verschiedenen Inseln statt, auf denen Dieter Bohlen immer wieder betonen muss, wie oft er schon dort seinen Urlaub verbracht hat. Als wollte ich wissen, wo dieser Mensch seine künstliche Bräune noch so zur Schau stellt.
Jedenfalls messen sich hier die Kandidaten mit viel nackter Haut erneut gesanglich und, welch Überraschung, einige gelangen auch hierbei in die nächste Runde.

Dann beginnen die Liveshows. Hier müssen die noch übrigen Kandidaten jeden Samstagabend eine oder mehrere Liveperformances absolvieren und werden daraufhin von den Fernsehzuschauern in die nächste Runde gewählt. Oder auch nicht. Dieses Prozedere wird so lange fortgeführt, bis noch eine Person übrig ist und diese ist dann der neue Superstar und bekommt einen Plattenvetrag. Juhu. In den ersten Staffeln hat der Sieg in dieser Show wenigstens noch einen gewissen Erfolg nach sich gezogen, mittlerweile ist der Superstar einfach nur noch eine austauschbare Witzfigur, welche gefühlt schon am Abend seines Sieges wieder in der Versenkung verschwindet. Und genau das zeigt, wie ausgelutscht das Konzept dieser Show. Man versucht zwar, sie durch einige Pseudoinnovationen wieder zu reanimieren, aber es wäre das Beste für alle, sie einfach ruhen zu lassen. Oder wie wärs damit: Anstatt zu singen, treten die Kandidaten in Hungerspielen gegeneinander an und wer noch übrig bleibt, verschwindet einfach so wieder aus der Öffentlichkeit, dann sparen wir uns das Ganze mit dem Plattenvertrag und der schlechten Musik. Und Dieter Bohlen schlägt sich live vor der Kamera zehn Mal mit einem Hammer gegen den Schädel, das macht er scheinbar eh jeden Morgen. So hätte er noch ein Publikum!

Aber ich schweife ab. Jedem ist klar, dass das Konzept der Castingshow in dieser Form tot ist. Es wird kein nennenswerter Erfolg generiert und die Künstler tun sich damit auch keinen Gefallen. Also tut ihr uns einen Gefallen RTL und lasst das Ganze in Frieden von uns gehen.

Ich glaube, diese Beispiele verdeutlichen, was ich meine. Der Sender setzt nicht auf gehaltvolles Programm, es soll die Zielgruppe einfach nur stumpf unterhalten. Womit man zugegebenermaßen auch Erfolg hat und bloße Unterhaltung ist auch nichts Verwerfliches. Aber dies geschieht hier systematisch auf Kosten anderer Menschen, die, ob nun nur gespielt oder nicht, durch diese Rollen gebrandmarkt sind. Natürlich stellen sie sich freiwillig zur Verfügung, aber auch eine freiwillige Geißelung ist moralisch verwerflich.

Ich wurde zuletzt gefragt, was mein Ziel mit dieser Rubrik ist. Mein Ziel ist es nicht, irgendeinen angestauten Frust abzulassen oder gar Neid auszuleben. Ich persönlich erleide ja keinen Schaden durch RTL. Meine Intention ist es, meine Meinung darzulegen und begreifbar zu machen, was der Plan von Firmen wie RTL ist und was daran verwerflich ist, wobei ich natürlich keinen Anspruch auf Richtigkeit erhebe.
Und damit danke ich euch für eure Aufmerksamkeit!

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