Der Blogger-Wahnsinn

Ja, ich gehöre selbst zum (wenig) elitären Kreis der Blogger. Insofern lese ich auch gerne mal in anderen Blogs, meist aus Interesse oder auch nach der Suche nach einer neuen Inspiration. Und ich muss euch sagen, es gibt extrem kranke Leute, die das noch nicht einmal verheimlichen wollen, nein, sie müssen es jedem mitteilen und was gibt es Schöneres, als einen Blog darüber zu schreiben? Und wie ihr euch schon denken könnt, von einigen werde ich euch heute berichten. Aber diesmal komplett ohne Zitate, meine Zusammenfassungen müssen euch ausreichen. 😀 Ich will nämlich keine Werbung für diese teilweisen echt extrem kranken Blogs machen.

Ein wunderschöner Blog, den ich jetzt schon länger verfolge, wird von einer Frau verfasst, die der Meinung ist, jeden Tag mehrmals von Leuten, vorrangig Männern, sexuell belästigt zu werden. Dabei wird dann fröhlich berichtet, wie sich nahezu jeder Mensch, der dieser jungen Dame begegnet, an die Genitalien fasst und sie dabei anstarrt. Klingt natürlich komplett realistisch. Wer erlebt das nicht, dass er durch die Fußgängerzone läuft und dabei nichts anderes sieht als sich selbst begrapschende Menschen, die furchteinflößenden Augenkontakt halten? Das ganze wird natürlich minutiös festgehalten und bisweilen von zynischen Kommentaren begleitet.

Ein weiteres Merkmal, man könnte es schon fast als Leitmotiv bezeichnen, da es sich durch jeden Beitrag zieht, ist das gepfiffene „düdeldadüdü“. Die junge frau ist der Meinung, dass Menschen dieses Geräusch dauernd in ihrer Nähe ausstoßen. Genau so. Jedes Mal.
Als würde das noch nicht reichen, werden die Beiträge mit Beschreibungen von ihren weißen Vaginalausflüssen, fehlenden Gehirnzellen in ihrer Vagina (fragt mich nicht, ich hab auch keine Ahnung o_O) oder Beschwerden über ihren angeblich unförmigen Frauenkörper (den
sie an anderer Stelle jedoch wieder als weiblich und begehrenswert beschreibt) abgerundet.

Wer jetzt meint, das klingt ja noch ganz witzig, hat zwar nicht ganz Unrecht, aber das eigentlich Unterhaltsame ist die Vorstellung, dass jemand derartige Probleme hat, sich von allen belästigt zu fühlen und das dann aber wieder mit der Öffentlichkeit teilen muss, die sich ja eigentlich belästigt. Leider hat diese Person auch die Kommentarfunktion in ihrem Blog ausgeschaltet, daran hätte ich ja meinen Spaß gehabt. Aber man kann nicht alles haben. Dieser Blog hat auf jeden Fall einen vollen Ausschlag auf dem Freak-o-meter.

Ein weiteres literarisches Meisterwerk handelt von einem Menschen, dessen Geschlecht mir unbekannt ist, der glaubt, von einer höheren Macht, die immer als mehrere Was-auch-immer dargestellt wird, kontrolliert und bestraft zu werden. Dabei werden auch Tagesberichte verfasst, jedoch ziemlich unleserlich in endlosen Kettensätzen. Da werden dann für jede Kleinigkeit völlig abstruse Theorien aufgestellt, dass sein ganzes Leben nur inszeniert ist, jede Person, die ihm begegnet, ist instruiert, ihm zu schaden usw. Der Haarausfall, der ihn aktuell plagt, ist ebenfalls eine Strafe, nämlich für seinen Ungehorsam, diesen Blog zu schreiben und damit ALLES aufzudecken. Gleichzeitig behauptet er aber auch, diese Kontrolleure würden ihn dazu zwingen, den Blog zu schreiben. Jedenfalls ist dieser Mensch vollkommen geisteskrank und sollte sich professionelle Hilfe suchen. Und nicht in einem Atomkraftwerk arbeiten. Oder Auto fahren. Am besten sollte er gar nicht mehr das Haus verlassen.
Der Ausschlag des Freak-o-meter ist hier auch weit, weit im roten Bereich.

Damit kommen wir zum nächsten Höhepunkt deutscher Schreibkultur. Man nennt uns ja schließlich nicht umsonst das Volk der Dichter und Denker.

In diesem Blog beschreibt eine suizidal veranlagte Frau, wie sie sich andauernd ritzt und umbringen will. Das an sich ist nicht lustig, weil Depressionen eine Krankheit sind. Aber ich bin kein Moralapostel und wer jeden Tag detailliert darüber schreibt, wie er sich ritzt, der weckt den Zyniker in mir. Das „wie“ ist hierbei wörtlich zu verstehen, es wird das Gefühl beim Durchschneiden der Haut beschrieben, wie tief man gehen kann, bis man den Knochen spürt, also das volle Programm. Am besorgniserregendsten war der Bericht darüber, wie sie sich vor ihrem Freund getrennt hat und dauernd davon gesprochen hat, ihm auch weh zu tun. Ok…. Soweit ich weiß, haben die sich dann getrennt, was glaub ich durchaus nachvollziehbar ist. Man könnte ja ganz hart drauf sein und behaupten, solange sich ihr Kopf nicht um 180 Grad dreht, ist alles gut, aber nein. Einfach nein.

Dazu kommen dann andauernd Ankündigungen, man wolle sich jetzt wirklich umbringen und dies wäre der letzte Eintrag, nur um dann einen Tag später zu vermelden, wie man es mit Alkohol, Ibuprofen und einem Messer versucht hat und es trotzdem nicht geschafft hat. Der Lichtblick ist, dass diese Frau sich jetzt tatsächlich in Therapie befindet, also sollte das Ganze bald hoffentlich ein Ende haben. Ich als Psychologielaie hätte ja behauptet, sie hat nie wirklich gewollt, sich umzubringen, sondern sucht einfach Aufmerksamkeit. Aber darum kümmern sich Leute, die das studiert haben, ich bereite das Ganze nur für euch auf.

Das krankeste Zeug war ein Blog, in dem eine Art Geschichte geschrieben wurde. Also fiktional. Hoffe ich zumindest, sonst wäre das ein Fall für die Kripo. Jedenfalls hat sich da ein Mensch, ich vermute ein Mann, eine derart kranke Story ausgedacht, da fehlten mir wirklich die Worte. Es ging darum, wie er Frauen mit einer Kette entführt, in seinen Keller sperrt, vergewaltigt und ihnen dann mit einem Bunsenbrenner und einem Messer die Haut abzieht oder auf andere Weise foltert. Man sagt ja immer, Kunst kenne keine Grenzen, aber das war echt Hardcore. Man muss zugeben, er ist talentiert darin, so etwas derart detailliert zu beschreiben, dass man es quasi spürt. Aber wirklich, sowas will man doch nicht lesen! Das kann nur den Gedanken eines Dämons entspringen, holt einen Exorzisten! Und das SEK! Wobei, wenn ich mir die Aufnahmerituale da so angucke, die sind auch nicht besser. Wir sind nur von Wahnsinnigen umgeben….

In diesem Sinne, das war der Ausflug in die kranke Welt der Blogger. Und nun nehmen wir diese Gedanken und sperren sie ganz weit weg. Quasi in den Keller…

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