Im Fitnessstudio

Ja, auch ein Leuchtturm des Wissens wie meine Wenigkeit ist bemüht, seinen Körper ebenso zu schärfen wie den Verstand. Insofern verbringe ich einen Teil meiner durchaus kostbaren Freizeit im Fitnessstudio. Man sollte meinen, dieser Ort wäre lediglich ein von Schweißgeruch erfüllter Tempel der körperlichen Ertüchtigung, in der die Menschen ihre Muskeln zu titanähnlichen Rüstungen formen und die schlaffen Kadaver zu effizienten Maschinen transformieren. Doch in der Tat kann man hier außergewöhnliche Feldstudien betreiben und interessante Exemplare der menschlichen Spezies entdecken, die ihre von Natur aus beeindruckende Hirnmasse scheinbar solange missachtet haben, bis sie vollständig verschwunden ist. Es folgt nun ein bescheidener Auszug meiner Erfahrungen:

Ein weit verbeitetes Exemplar, im Folgenden als Anabolikazombie bezeichnet, trainiert seine bereits zerreißenden Oberarmmuskeln mit zugegebenermaßen beeindruckender Akribie. Leider scheinen die verabreichten Anabolikadosen das Gehirn in einer Weise in Mitleidenschaft gezogen zu haben, dass sogleich der leere, milchige Blick ins Auge fällt. Mit Schreien, die durch das Fitnessstudio hallen und wahrscheinlich jeden Beamten im Umkreis von 435 Kilometern aus dem wohlverdienten Schlaf reißen, werden die Hanteln, die das dreifache des Körpergewichts dieses Untiers wiegen, in einem Anfall von völliger Selbstgeißelung gestemmt.

Dürre Gestalten, die allzu oft mit Zweigen verwechselt werden, beobachten diese Auswüchse der Negativevolution in Erwartung, mit hartem Training ebenfalls solche Adoniskörper zu besitzen, nicht wissend, dass sie hoffentlich niemals dieses Level geistiger und auch körperlicher Zerstörung erreichen werden.

Ein glücklicherweise seltenes Exemplar ist „die wandelnde Hilfestellung“. Scheinbar beiläufig schlendern diese Wesen durch das Sportstudio, die Augen wandern auf der Suche nach alleinstehenden Weibchen durch das Gebäude. Haben sie ein Opfer erspäht, stürzen sie in einer Geschwindigkeit auf sie zu, die einen Wanderfalken vor Neid erblassen lassen würde und bieten, natürlich vollkommen uneigennützig, ihre Hilfe bei der korrekten Ausführung der Leibesübungen an. Dies nimmt mitunter Ausmaße an, bei denen die Grenze zur sexuellen Belästigung schon lange überschritten worden ist: „Ganz richtig, du musst deinen Unterleib anspannen, drück ihn mal fest gegen meine Hand!“. Der natürliche Feind der wandelnden Hilfestellung ist der Anabolikazombie, sofern er mit einer dieser jungen Damen liiert ist. Sofort wird dieser aus der Trance seiner Selbstgeißelung gerissen und bringt seinen Unmut über den Kopulationsdrang des kontaktfreudigen Menschen mit explosiver Aggressivität zum Ausdruck. Hierbei ist es immer wieder interessant zu sehen, was effektiver ist. Die rohe Gewalt, ähnlich der Explosionskraft einer Panzergranate oder die Wendigkeit der Hilfestellung, gepaart mit einer gewissen Cleverness.

Ebenfalls in jedem Fitnessstudio zu finden ist die „Squatmaschine“. Oftmals im Rudel unterwegs ist dieses immer weibliche Wesen weniger an körperlicher Ertüchtigung interessiert, als daran, den männlichen Sportlern durch möglichst viel nackte Haut aufzufallen, um sich dann in einem spontanen Anfall von Schizophrenie darüber zu echauffieren, dass einige Männer tatsächlich die Dreistigkeit besitzen, ihr von abertausenden Squats geformtes Hinterteil mit wohlwollendem Blick zu belohnen.

Das war der erste Einblick in die wunderbare Welt des Fitnessstudios. Ich werde meine Feldstudien forsetzen und euch von neue Arten berichten!

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