Das inkompetenteste Transportunternehmen der Welt

Ich gehe jede Wette ein, ihr wisst anhand der Überschrift, welches Unternehmen ich meine. Es ist die allseits beliebte Deutsche Bahn.
DIE Deutsche Bahn, die uns seit 1994 immer pünktlich und mit einem Lächeln im Gesicht durch die Republik kutschiert.

Der Rundumservice beginnt am Informationsschalter:
Wir werden von einer Kaugummi kauenden Servicekraft in der schicken Dienstkleidung mit einem Gesichtsausdruck begrüßt, der uns sagt, dass wir die erbärmlichste Kreatur der Welt sind, die es wagt ihre Arbeitszeit tatsächlich mit Leben zu füllen, während sie viel lieber den luftleeren Raum im Inneren ihres Schädels erkunden und die bahnbrechenden Ergebnisse auf Twitter posten würde.

Nun, nachdem wir unser Anliegen geschildert haben „Ich brauche die schnellste Verbindung zwischen Düsseldorf und Hilden“, spiegelt sich der Bildschirm im glasigen Blick des Angestellten, während er die gewünschte Verbindung sucht. Mit im besten Fall zwei bis drei Worten wird uns das Ergebnis dieser anspruchsvollen Suche mitgeteilt und wir verlassen diesen Ort in Richtung Fahrkartenautomat.

Dort fühlt man sich an die Zeit der Lehnsherren erinnert, doch diese waren im Vergleich zu den Ticketpreisen noch gnädig, man musste ja nur den zehnten Teil seiner Ernte entrichten. Nachdem ein beträchtlicher Teil unseres Vermögens an die Bahn entrichtet wurde, damit wir den Luxus eines anbetungswürdigen Zuges erleben dürfen und damit eine Reise, die einer Sänfte gleicht, machen wir uns auf den Weg zum Gleis.
Ihr ahnt es schon, jetzt kommt der Teil mit der Verspätung. Eigentlich schon so oft besprochen, aber es muss sein. Auf Anzeigetafeln und mit der freundlichen Frauenstimme aus den Lautsprechern wird uns mitgeteilt, dass sich die Ankunft des Luxusliners beträchtlich verzögert. Kein Problem, wir sind ja nicht auf der Flucht. Dieser Optimismus verfliegt schnell.

Man könnte sich nun in ein Buch vertiefen. Leider ist dieses bald durchgelesen, doch ausgefuchste Bahnfahrer besitzen natürlich ein E-Book mit ihrer gesamten Büchersammlung. Nachdem die komplette Harry Potter Reihe gelesen, fünf Sprachen gelernt und noch alle Weihnachtsgeschenke für die nächsten 20 Jahre erdacht wurden, ist es soweit: Der Zug trifft ein, hoooray!

Leider warten mittlerweile bereits die Passagiere der fünf folgenden Züge auf diesen einen, sodass ein Griechisch-Römischer Ringwettkampf um den Zustieg entsteht. Ist man in den Zug gelant, fühlt man eine gewisse Atemnot, bevor weitere 5000 Menschen zusteigen und man sein Leben an sich vorbeiziehen sieht. Jeder Atemzug ist jetzt mit großen Anstrengungen verbunden, da sich pro Quadratmeter gefühlte 50 Leute befinden. Dazu herrscht Hochsommer, doch glücklicherweise besitzt dieses Ergebnis moderner Ingenieurskunst eine voll funktionsfähige Klimaanlage! Oh, die ist wegen der Hitze ausgefallen? Verständlich, wer kann schon im Sommer mit Temperaturen über 20 Grad rechnen? Also steht man im Zug, spürt die Körpertemperatur steigen, es setzt ein leichter Garprozess ein. Man will eigentlich nur sterben, wie um alles in der Welt soll man so eine Zugfahrt ertragen?

Während man über die Unsinnigkeit des eigenen Daseins philosphiert, kommt die nächste Hiobsbotschaft. Bei irgendeiner armen Seele haben diese eben erwähnten Gedanken fatale Konsequenzen gehabt und sie hat sich vor den Zug geworfen. Nun also müssen die leiblichen Überreste von den Schienen gekratzt werden, der Zugführer braucht einen Seelsorger, weil er das Lebenslicht in den Augen des Opfers erlischen sah, also steht man erstmal dort.

Nach gefühlten 12 Stunde geht es weiter. Ein leichter Lagerkoller bricht aus, die Menschen fangen an, ihre erbärmliche Situation durch gegenseitige Diffamierungen noch weiter zu verschlimmern. Doch bevor eine Massenpanik aufgrund einer Schlägerei ausbricht, beruhigt sich die Sachlage.
Ich frage mich, ob uns das Serviceäffchen vielleicht falsch verstanden hat? Hat sie uns zum Zug in den Hades gelotst? Nun, sobald ich einen Fährmann für die Fahrt über den Styx bezahlen muss, wundert mich nichts mehr.

Doch es geschehen noch Zeichen und Wunder, der Zug erreicht tatsächlich sein Ziel. Mit feinstem Oxford-Englisch wird sich bei uns für die Wahl der Deutschen Bahn bedankt. Als gäbe es irgendeine Entscheidungsfreiheit. Diese Aussage von einer Firma, die ein Monopol in Sachen Schienenverkehr hat, offenbart schon einen gewissen Zynismus.
Aber es überwiegt erstmal die Freude, am Leben zu sein, das ist ja auch schon mal was!
In diesem Sinne, thank you for reading my blog!

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